Kranich als Wächterfigur – Berühmte Bankiersfamilie ist in der Berliner Jägerstraße präsent

Die Berliner Jägerstraße ist eine einzigartige Geschichtsmeile. Eine Tafel am Haus Jägerstraße 51 informiert: „In diesem Gebäude befand sich seit 1815 das Bankhaus der Brüder Joseph und Abraham Mendelssohn. Die Familie Mendelssohn machte ihr Geschäfts- und Wohnhaus über Generationen zu einem Treffpunkt für Künstler und Gelehrte.

Felix Mendelssohn Bartholdy und seine Schwester Fanny Hensel sowie weitere Familienangehörige sind auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof am Berliner Mehringdamm bestattet.

Wenige Schritte vom Haupteingang des Dreifaltigkeitsfriedhofs entfernt lädt eine Gedenk- und Dokumentationsstätte in der früheren Kapelle ein, um das geistige, künstlerische und wirtschaftliche Leben und Wirken der Familie Mendelssohn Bartholdy kennenzulernen.

Die undatierte Medaille aus der Kaiserzeit mit dem Medaillon-Bildnis von Joseph Mendelssohn und dem Kranich gehört in das Sammelgebiet „Pecunia in nummis“.

Die Bundesrepublik Deutschland ehrte den Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy 1984 zu seinem 175. Geburtstag mit einer Gedenkmünze zu fünf Mark.
Fotos: Caspar
Das Berliner Bankhaus Mendelssohn & Co. blickt auf eine lange Geschichte zurück, die von Erfolg Eine undatierte Preismedaille der Bank des Berliner Kassen-Vereins aus der Zeit um 1900 ehrt die mythologische Göttin des Überflusses (Abundantia), die das Porträtmedaillon von Joseph Mendelssohn in der Hand hält. Er war der Gründer des Privat-Bankhauses „Mendelssohn & Co.“ in Berlin. Der Kranich auf der Rückseite ist das Wappen der Gelehrten-, Künstler-, Unternehmer- und Bankiersdynastie, die sich als Lebensmotto die Worte ICH WACH gewählt hat.
Die Mendelssohn-Remise in der Jägerstraße lädt regelmäßig zu Konzerten, Lesungen und anderen Veranstaltungen in das Stammhaus der 1795 gegründeten Mendelssohn-Bank. Die Familie besaß hier, in der Keimzelle des Berliner Bankenviertels, sechs Häuser und entwickelte die Firma zur größten Privatbank Berlins. Hier trafen sich die Nachkommen des Philosophen Moses Mendelssohn waren Bankiers, Künstler und Gelehrte, und sie luden Freunde und Geschäftspartner zu geselligen Runden ein. Das Bankhaus war wie anderen jüdischen Einrichtungen den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge und wurde 1938 zerschlagen. Die Geschichte der ehemals größten deutschen Privatbank wird nach und nach aufgearbeitet. Das allerdings ist nicht leicht, weil großer Teile des Firmenarchivs verloren gegangen sind. Auf dem Friedhof am Halleschen Tor in Berlin gibt es eine der Familie Mendelssohn gewidmete Gedenkstätte, in der man auch einiges über den Philosophen Moses Mendelssohn, den Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy und weitere Mitglieder der Familie erfährt.
Sparkassen als Hilfsvereine
Sparkassen sind eine Erfindung des 18. Jahrhunderts. Sie waren eine Art sozialpädagogische Einrichtung ins Leben gerufen, um es ärmeren Bevölkerungsschichten zu ermöglichen, Rücklagen, so es denn welche gab, mit einem kleinen Zinsgewinn sicher zu verwahren. Später durften die Institute auch Kredite ausgeben, um dadurch den Erwerb von Immobilien zu ermöglichen und Betriebe aller Art zu gründen. Das erhöhte die Attraktivität der Sparkassen und sorgte für ihr Wachstum. In den 1880er Jahren schlossen sich regional agierende Sparkassen zu größeren Einheiten zusammen, und 1884 kam es zur Gründung des Deutschen Sparkassenverbandes. Er fusionierte mit dem 1916 gegründeten Deutschen Zentral-Giroverband und dem 1921 errichteten Deutschen Verband der kommunalen Banken e. V. Die Vereinigungen wurden 1924 in der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Sparkassen- und Giroverbände und Girozentralen als Körperschaft des öffentlichen Rechts zusammengefasst. Mit diesem Schritt erhielten bis dahin lokal und regional tätige Institute die Möglichkeit, kraftvoll und geschlossen aufzutreten und ihren Einfluss auf die Politik zu erhöhen.
Eine Vorreiterrolle bei der Gründung der ersten Sparkassen und Hilfsvereine spielte die 1778 gegründete Hamburgische Allgemeine Versorgungsanstalt, die den Sparern garantierte, dass ihre Taler und Schillinge im Tresor sicher verwahrt und jederzeit mit einem kleinen Gewinn zurückgegeben werden. Ziel war es, die Daseinsvorsorge breiter Bevölkerungsschichten zu sichern und zu fördern. Vorhandenes Kapital sollte überdies in der Region gehalten und für ihre wirtschaftliche Entwicklung eingesetzt werden.
Ersparnisse zinsbar gemacht
Das Hamburger Beispiel machte Schule, und so entstand 1801 in Göttingen erstmals eine Sparkasse, für die die Kommune die Haftung übernahm. Es folgten überall Kreis- und Hilfssparkassen sowie weitere bei Großbetrieben und anderen Einrichtungen angesiedelte Institute dieser Art, die sich großer Beliebtheit erfreuten. Um 1900 gab es im Deutschen Reich rund 3000 Sparkassen, und jeder dritte Deutsche besaß, statistisch gesehen, ein Sparkassenbuch. Der am 1. Mai 1823 auf Initiative der Bankiers Joseph Mendelssohn gegründete Berliner Cassen-Verein ließ seine Kunden wissen: „Um den hiesigen Einwohnern Gelegenheit zu geben, ihre kleinen Ersparnisse zinsbar und sicher unterzubringen, und ihnen dadurch behülflich zu seyn, sich ein Capital zu sammeln, welches sie bei Verheirathungen, Etablirung eines Gewerbes, im Alter oder in Fällen der Noth benützen können, hat die Stadtverordneten-Versammlung beschlossen, unter Garantie der Commune und unter des Magistrat und ihrer Aufsicht eine Sparkasse zu eröffnen.“ Es dauerte nicht lange, bis das Geldinstitut Einlagen in Höhe von stattlichen 14.032 Talern verbuchte. Ein guter Anfang war gemacht. Heute besitzt die Berliner Sparkasse großes Ansehen und hat einen weiten Kundenkreis.
Im Ersten Weltkrieg (1914-1918)
wurde massiv für das Sparen und die Zeichnung von Anleihen geworben. Das eingezahlte Geld wurde für die Rüstung und Kriegsführung gebraucht und war aber nach Friedensschluss verloren. In der 1923 beendeten Inflationszeit hatte sich das Geld von Millionen Sparern in Luft aufgelöst.
Die Nationalsozialisten machten das Sparen vor und während des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) den Menschen nach dem Motto „Kämpfen, Arbeiten, Sparen“ zur Pflicht. Sie raubten unter der Parole „Brechung der Zinsknechtschaft“ die jüdische Bevölkerung aus und erhoben speziell für sie Sondersteuern. Der als „Arisierung“ verharmloste Raub jüdischen Eigentums in Gestalt von Betrieben, Läden, Grundstücken, Sammlungen und anderem Besitz im Deutschen Reich und den von der Wehrmacht besetzten Ländern und hatte großes menschliches Leid zur Folge.
Geraubte Mitte und enteignetes Bauernland
Die Ausstellung „Geraubte Mitte“ der Stiftung Stadtmuseum schilderte vor einigen Jahren im Berliner Ephraimpalais, wie sich die Nationalsozialisten in jüdischem Besitz befindliche Gebäude und Grundstücke aneigneten. Viele Häuser wurden abgerissen, um auf den leer geräumten Flächen Neubauten in typischem NS-Stil zu bauen. In den Ausstellungsräumen standen weiß gestrichene Schreibtische, um das verhängnisvolle Wirken von regimetreuen Schreibtischtätern zu symbolisieren. Nach dem Ende des NS-Staates behaupteten sie, nur nach Recht und Gesetz gehandelt zu haben. Die Überlebenden des Holocausts und ihre Nachkommen kämpfen bis heute um ihr Eigentum. Die so genannte Arisierung war wichtig, um auf billige Weise die Visionen von Hitler und seinem Stararchitekten Speer für die Umgestaltung Berlins in die „Welthauptstadt Germania“ verwirklichen zu können. Bis heute kämpfen viele Nachkommen jener ermordeten Juden vergeblich ihren Besitz. Hin und wieder ist zu hören, dass Bücher, Gemälde und andere Hinterlassenschaften an sie zurück gegeben werden.
24. Februar 2026