Bauminseln für den Schlossplatz - Umgebung des Humboldt Forums wird begrünt und menschenfreundlicher
Wer das Humboldtforum gegenüber der Berliner Museumsinsel umrundet; hat viele Pflastersteine und Betonplatten unter seinen Füßen. Jetzt wird bekannt, dass der Schlossplatz mit Bauminseln bepflanzt werden soll. Die Finanzierung der Schattenspender erfolgt durch Patenschaften. Wer will, kann dort auch als Baumpate namentlich erwähnt werden. Die Maßnahme zur Begrünung der Umgebung des viel besuchten Kulturstandortes in Berlin Mitte kommt spät, aber nicht zu spät. Denn in Berlin zeichnet sich ein Gesinnungswandel ab, was den Anbau und Pflege von Bäumen und Grünflächen betrifft. Große Anstrengungen werden unternommen, um asphaltierte und mit Steinplatten belegte Flächen aufzubrechen und mit Rasen, Blumenrabatten, Sträuchern und Bäumen zu begrünen. Versiegelte Flächen, die früher offenbar als schick und pflegeleicht galten, sind es nicht mehr. Das hat sich auch bei Haus- und Gartenbesitzern herumgesprochen, die sich ebenfalls um die Begrünung bemühen, auch wenn sie Pflege und viel Wasser beanspruchen.
Die öde Steinfläche zwischen Humboldt Forum, Marstall und Staatsratsgebäude wird in den kommenden Jahren in einen kleinen Park verwandelt. Besucherinnen und Besucher des Kulturstandortes und seiner Umgebung freuen sich.:
Angesichts der rasanten Erderwärmung und von Hitzewellen, die auch Berlin erreichen, sind die Maßnahmen am Schlossplatz mehr als gerechtfertigt. Die bislang vollständig gepflasterten Fläche bekommt drei großflächige Bauminseln sowie Sitzmöglichkeiten. Damit entsteht grüner Ort mit zusätzlicher Aufenthaltsqualität und viel Schatten, den man bisher vermisst hat. Die Bauminseln sind Teil des Projekts „Klimagerechter Umbau des Schlossplatzes“. Die Begrünung ergänzt bestehende Maßnahmen wie die größte Geothermie-Anlage Berlins und einen Regenwassersammler rund um das Humboldt Forum, und sie tut auch den Bienenvölkern auf der Dachterrasse gut.
Zum Baubeginn sagte Hartmut Dorgerloh, Generalintendant des Humboldt Forums: „Mit unseren Bauminseln schaffen wir einen grünen Raum der Ruhe und Begegnung. Im Herzen Berlins entsteht ein Ort zum Verweilen, zum Begegnen und zum Durchatmen.“ Alexander Slotty, Staatssekretär für Bauen und Amtschef in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, betont: „Der öffentliche Raum in unserer Stadt muss heute mehr leisten als je zuvor – er muss atmosphärisch und gut gestaltet sein, dem Klimawandel trotzen und gleichzeitig sehr viel Aufenthaltsqualität bieten. Der Umbau des Schlossplatzes fußt auf intensiver und partnerschaftlicher Vorarbeit vieler Beteiligter. Gemeinsam mit der Stiftung Humboldt Forum, dem Bezirksamt Mitte von Berlin sowie den beiden benachbarten Hochschulen ESMT Berlin und der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ haben wir eine umfassende Planungsstudie als Grundlage für die Baumaßnahmen erarbeitet. Damit wird der historische Schlossplatz für uns und kommende Generationen zu einem Ort mit besonderer Anziehungskraft.“
Die Bauminseln mit 18 verschiedenen Baumarten repräsentieren drei Kontinente und Klimazonen – Amerika, Europa / Mittelmeerraum und Asien - und erinnern an die Reisen von Alexander von Humboldt, der die Verbreitung von Pflanzen und ihre Beziehung zur Umwelt beschrieb. Das Pflanzkonzept macht unterschiedliche Klimaräume und Baumarten im Stadtraum sichtbar. Die Palette reicht von nordamerikanischen Bäumen mit leuchtender Herbstfärbung über robuste heimische Gehölze bis hin zu mediterranen Arten und zur japanischen Kirschblüte. Die vorgesehenen Bäume wurden zudem nach Kriterien der Klimaresilienz und Biodiversität ausgewählt. Zu nennen sind die Gleditschie als Bienenweide, der Judasbaum als frühes Blütenangebot und die für Insekten und Vögel, aber auch als Schattenspender wichtige Felsen- oder Weichselkirsche.
Die Pflanzungen am Humboldt Forum sind der Beginn einer längst fälligen Kampagne zur Begrünung und Entsiegelung Berlins. Dessen bundesweit erstes Klimaanpassungsgesetz sieht vor, die Zahl der Stadtbäume bis 2040 auf eine Million zu erhöhen. Das sind mehr als doppelt so viele , die derzeit in der Stadt vorhanden sind. Ziel ist es, Berlin widerstandsfähiger gegen Hitze, Dürre und Starkregen zu machen und gleichzeitig die Lebensqualität seiner Bewohner zu steigern. Lange, viel zu lange wurden Straßen und Plätze zubetoniert, weil man Unterhalt und Pflege von Grünflächen und Pflanzen gescheut hat und weil dergleichen „trendy“ ist. Die Lage ist heute entschieden anders, denn auf Abkühlung wird weitaus mehr Wert gelegt als früher.
Ein abschreckende Beispiel für die Versiegelung von öffentlichem Raum ist der Gendarmenmarkt, dessen Umbau vor einigen Jahren 21 Millionen Euro kostete, aber, was die Begrünung und das Thema Aufenthaltsqualität betrifft, unbefriedigend ausfiel.
Weil auf dem Gendarmenmarkt Bäume und Pflanzen bei Open-Air-Konzerten und anderen Großveranstaltungen vor dem Konzerthaus die Sicht stören und Hindernisse für die Technik darstellen, hat man auf Bäume und Sträucher verzichtet. Die kahle, stets aufgeräumte und pflegeleichte Fläche wird von Besuchern, die im Sommer unter Hitze leiden, als großes Manko empfunden. Ob Nachbesserungen geplant sind, kann nicht gesagt werden. Ähnlich kahl und wenig einladend gestaltet sind der Bebelplatz zwischen Staatsoper und ehemaliger Königlicher Bibliothek und der Alexanderplatz, wo immerzu Veranstaltungen stattfinden, die nach Meinung mancher Stadtplaner eine menschenfreundliche Begrünung nicht vertragen. Wünschenswert wäre auch hier ein Umdenken ähnlich wie am Schlossplatz. Übrigens sehen Berlin und Besucher der Stadt, dass der Baumbestand an der Straße Unter den Linden nicht durchgängig besetzt ist. Ihn so weit möglich in Richtung Humboldt Forum zu ergänzen, wäre sehr zu wünschen.
Nach wie vor ist auf der Baustelle zwischen Spree und Humboldt Forum, dies sei hier angemerkt, vom Einheits- und Freiheitsdenkmal nicht viel zu sehen. Jahrelange Verzögerung durch Insolvenz von Baufirmen, aber auch kritische Diskussionen über Sinn und Zweck der sogenannten Einheitswippe taten dem Projekt nicht gut. Wann die Erinnerungsstätte an die friedliche Revolution in der DDR von 1989 fertig wird, kann im Moment niemand sagen. Unklar ist auch das Schicksal von Schinkels Bauakademie ebenfalls in der Umgebung des Humboldt Forums, deren Rekonstruktion vor vielen Jahren begann, aber leider nicht vollendet wurde.
Fotos: Caspar
17. Juni 2026