Recht und Gesetz -
Was belgische Münzen zeigen, und was sie verschweigen

Die belgischen Münzen werden in der Münze zu Brüssel geprägt. Auf dem Fünf-Cent-Stück von 1855 bewacht der Löwe die Gesetzestafeln.

Die Medaille von 1910 schildert, wie Münzen in alten Zeiten am Amboss hergestellt wurden und wie um 1900 dafür eine Kniehebelpresse eingesetzt wird.

Dass im Kongo ein menschenverachtendes System von Zwangsarbeit existiert und hunderttausende, manche sprechen von Millionen Männer, Frauen und Kinder ums Leben kamen, kümmerte Leopold II. wenig. Seine Münzen lassen nicht erkennen,welche Verbrechen dort verübt wurden.

Die Sondermünze zu 50 Francs von 1935 erinnert an die Hundertjahrfeier der belgischen Eisenbahn.

Der Blick auf unseren Kontinent auf den Zwei-Euro-Münzen ist ein Werk des belgischen Designers Luc Luycx.

Kaiser Karl V. erfreut sich in Belgien eines großen Ansehens. Sein Porträt schmückt die Silbermünze von 1987 zu 5 ECU, dem Vorläufer des EURO.
Fotos: Caspar
Belgien bereitet sich schon heute auf seine Zweihundertjahrfeier 2030 vor. Die Zeit bis dahin wird genutzt, um auch tief in die Vergangenheit des Königreichs zu blicken. Sie war lange Zeit von inneren Spannungen und religiösen Kämpfen geprägt, die auch heute nicht verschwunden sind. Die heutigen Niederlande und Belgien wurden jahrhundertelang von fremden Mächten beherrscht. Statthalter der spanischen Könige und der in Wien residierenden Habsburger bestimmten mit Feuer und Schwert über das Wohl und Wehe ihrer Untertanen. Sie setzten sich vehement gegen Bevormundung und Ausbeutung zur Wehr und mussten einen hohen Blutzoll zahlen. Die erst im frühen 19. Jahrhundert überwundenen Machtverhältnisse kommen auch auf den bei Sammlern beliebten Münzen und Medaillen dieser Länder gut zum Ausdruck.
Drei Amtssprachen
Das 1830 nach Abspaltung von den Niederlanden gegründete Königreich Belgien ist eine konstitutionelle Monarchie mit aktuell 11,8 Millionen Einwohnern und einer Fläche von 30 518 Quadratkilometern. Das Land besteht aus den Regionen Flandern, Wallonien und Brüssel; dann gibt es flämische, französische und deutschsprachige Gemeinschaften, , die zusammenzuhalten eine nicht leicht zu bewältigende Aufgabe ist. Brüssel ist Sitz der NATO sowie wichtiger europäischer Institutionen. Als Staatsoberhaupt ist aktuell König Philippe auf Euro-Münzen präsent.
Dass Französisch, Flämisch und Deutsch als Amtssprachen gleichberechtigt sind, war und ist wegen der Ausgewogenheit wichtig, die im Lande streng beobachtet wird. So gibt es Ausgaben mit dem Landesnamen in drei Sprachen und solche, die nur flämische beziehungsweise französische Aufschriften tragen. Das Nebenherbestehen von unterschiedlichen Landesteilen und drei Amtssprachen macht das Regieren nicht leicht und führt dazu, dass nach Wahlen die Bildung eines neuen Kabinetts ewig lange dauert.
Ereignisse und Gestalten
Belgien gab den seit 1830 regierenden Königen immer wieder mit seinen Münzen und Medaillen die Ehre, ebenso ist der belgische Wappenlöwe als Wächter über Recht und Gerechtigkeit auf vielen Ausgaben präsent. Mit neueren Münzen werden überdies bedeutende Ereignisse und Gestalten wie Karl der Große und Kaiser Karl V. sowie und Vertreter des Kultur- und Geisteslebens wie Erasmus von Rotterdam, der Kartograph Mercator, der „Vater“ der Olympischen Spiele der Neuzeit Pierre de Coubertin, der Kriminalautor Georges Simenon und viele andere gewürdigt, dazu Bau- und Kunstwerke sowie Naturschönheiten, aber auch sportliche Großereignisse und das Zusammenwachsen der Europäischen Union. Diese und weitere Ausgaben aus Gold, Silber und unedlem Metall zusammen zu bekommen ist nicht einfach, aber der Münzhandel ist Sammlern behilflich.
Glanz und Elend
Die belgische Geschichte war von Glanz und Elnd und von finsteren Zeiten im Ersten und im Zweiten Weltkrieg geprägt, als das Land unter deutscher Besatzungsherrschaft leiden musste. Bis heute ist unvergessen, dass der geschäftstüchtige und im eigenen Land unbeliebte König Leopold II. in der ihm persönlich unterstehenden Kolonie Kongo unbeschreibliche Gräuel zuließ. Seit Jahren stand Herrscher in der Kritik, weil seine „Privatkolonie“, die 45 mal größer als das eigene Königreich war, die einheimische Bevölkerung bis aufs Blut ausbeutete. Sie wurde gezwungen, Naturkautschuk zu sammeln, der in Europa profitabel für Auto- und Fahrradreifen sowie andere Zwecke weiter verarbeitet wurde. Außerdem belieferte der so genannte Freistaat Kongo die übrige Welt mit Elfenbein, das als „weißes Gold“ hoch gehandelt wurde.
Herz der Finsternis
In seinem 1899 veröffentlichten Buch „Herz der Finsternis“ schilderte der ehemalige Kapitän Joseph Conrad aus eigenem Erleben die brutalen Methoden, mit denen mit Wissen des Königs belgische Handelsgesellschaften und Soldaten im Kongo vorgingen. Conrad sah, wie Soldaten Körbe voller abgeschlagener Hände von Menschen, die sich den Besatzern widersetzt hatten, in die Stützpunkte schafften um sie zu zählen, und er musste auch erleben, dass wie im tiefsten Mittelalter Köpfe von Hingerichteten auf Pfählen aufgepflanzt wurden.
Historiker sehen in den Kongo-Gräueln ein „Verbrechen von apokalyptischen Ausmaßen“. Leopold II. verkaufte, nationalem und internationalem Druck folgend, am 2. Dezember 1907 „seine“ Kolonie dem eigenen Land für umgerechnet acht Millionen Goldmark. Der in der europäischen Herrscherfamilie weitgehend Isolierte starb 1909 und bleibt als ein besonders skrupelloser Monarch der Neuzeit in übler Erinnerung. Der lange Schatten, den Leopold II. auf sein Land und sich selbst warf, ist nicht verschwunden. Mit Grauen erinnert man sich in Belgien an ihn und sein blutiges Regime im Kongo. Die ehemalige Kolonie erlangte erst 1960 ihre Unabhängigkeit.
5. Mai 2026