Eiffelturm erinnert an 1789 - Frankreich brachte 1889 Medaillen mit eiserner Attraktion heraus

Kein Paris-Besuch ohne den Eiffelturm. Seit 1889 bestimmt der die Silhouette der französischen Hauptstadt.

Von Eugène-André Oudiné und Louis Bottée (Rückseite) geschaffen, ist die Bronzemedaille von 1889 eine Hommage an das Volk von Paris, das am 17. Juli 1789 mit dem Sturm auf die Bastille eine Zeitenwende eingeleitet hat.

Vorder- und Rückseite der zweiten Medaille von 1889 wurden von Louis Bottée geschaffen. Da die Administration des Monnaies et Médailles als Herausgeberin fungiert, dienten die Medaillen auch als offizielles Werbeträger für den Eiffelturm.

Zur Jahrhundertwende und Weltausstellung in Paris erschien eine von Daniel Dupuis gestaltete Medaille mit einem geflügelten Fackelträger, der sich an eine Spindelpresse lehnt. Auf der Rückseite schreibt eine Frau die Jahreszahl 1900 in das Buch der Geschichte, das ihr ein Genius reicht.

Die Münzstätte von Rochefort präsentiert sich auf der Edmond-Émile Lindauer gestalteten Medaille aus dem Jahr 1918 mit ihren Maschinen und Gebäuden und einer Hafenanlage.
Fotos: Caspar
Immer wieder wird gefragt, ob sich das Sammeln von Medaillen lohnt und warum in der numismatischen Publizistik alte und neue Münzen so sehr im Vordergrund stehen. Der Eindruck täuscht, denn Medaillen werden keineswegs stiefmütterlich behandelt, sondern nehmen in der Berichterstattung, aber auch in Auktionen und bei Münzenmessen einen ihnen zustehenden guten, man muss aber auch sagen zweiten Platz ein. Kaum jemand sammelt „nur“ Münzen beziehungsweise Medaillen. Öffentliche und private Sammlungen enthalten gute Mischungen von beiden auf ähnliche Weise produzierte und doch so unterschiedliche Kategorien. Man wird überall fündig, auch in numismatischen Zeitschriften und Büchern. Wenn ich gelegentlich gefragt werde, ob sich das Sammeln von Medaillen lohnt und ob sie etwas wert sind, antworte ich scherzhaft „Warten Sie 300 Jahre ab, dann sind sie es ganz bestimmt!“ Ich bezweifle, ob die Ironie überall verstanden wird.
Vorsicht bei modernen Ausgaben
Selbstverständlich sollte man Medaillen sammeln, denn auch sie erzählen von unserem Woher und Wohin. Problematisch ist, dass seit einigen Jahren unzählige Medaillen aus edlem und unedlem Metall zu allen möglichen und unmöglichen Anlässen auf den Markt geworden werden. Die Herausgeber gaukeln Sammlern und solchen, die es werden sollen, sagenhafte Renditen vor. Doch wenn es ans Verkaufen geht, werden die in schicken Schatullen aufbewahrten Medaillen vom Handel ungern angenommen, und wenn überhaupt. In solchen Fällen wird bestenfalls der Metallwert bezahlt. Bei modernen Münzen ist Vorsicht geboten, denn die allermeisten erreichen nicht die Mondpreise, die dubiose Anbieter im Internet verlangen aber wohl niemals bekommen. Bei angeblichen Fehlprägungen zeigt sich, dass sie keine sind. Außerdem können in Millionenstückzahl geprägte Kursmünzen nicht als Raritäten bezeichnet werden, wie es die Werbung tut. Münzhändler sprechen davon, wenn eine Auflage weniger als 10 000 Stück beträgt.
Die hier vorgestellten Medaillen aus dem Jahr 1889 gehören in die Sammelgebiete „Architectura in nummis“ und „Münztechnik auf Münzen und Medaillen“. Sie stellen das Panorama der französischen Hauptstadt mit dem Eiffelturm als neueste, zur Hundertjahrfeier der Revolution von 1789 erbaute Attraktion dar. Die Vorderseiten unterscheiden sich im Stil und der Machart voneinander. Der Kopf der Gallia oder Marianne, der Symbolfigur der Französischen Republik, wurde in klassizistisch-tradioneller Weise von Eugène-André Oudiné geschaffen. Die Rückseite mit dem Eiffelturm ist ein dem Geist des Jugendstils verpflichtetes Werk von Louis Bottée. Dieser Künstler gestaltete auch auf der anderen Medaille die Seite mit der Frau neben der in der Münzprägung eingesetzten Kniehebelpresse. Sie war damals das Modernste, was die Geldproduktion zu bieten hatte. Der Genius mit einer Fackel im Arm reicht der Personifikation von Frankreich einen Lorbeerzweig.
Staat und Gesellschaft neu organisiert
Der Eiffelturm wurde zur Hundertjahrfeier des Beginns der Französischen Revolution und zur Weltausstellung 1889 in Paris errichtet. Nach dem Sturm auf die Bastille, das berüchtigte Gefängnis im Herzen von Paris, am 14. Juli 1789 geriet das Ancien régime, also die französische Königsherrschaft, ins Wanken. In einem jahrelangen Prozess von Blut und Gewalt wurden Staat und Gesellschaft umgekrempelt und neu organisiert, wobei Kriege, die andere Staaten gegen das revolutionäre Frankreich mit dem Ziel der Wiedereinsetzung des Königshauses führten, sowie der Terror im Inneren viele Todesopfer forderten. Der 14. Juli 1789 war auch der Beginn von fundamentalen Umwälzungen in Europa und der Welt, die bis heute nachwirken.
Als 1889 der Eiffelturm in Paris feierlich der Öffentlichkeit übergeben wurde, waren die Meinungen geteilt. Der Begeisterung über das riesenhafte, die Silhouette von Paris bestimmende Meisterwerk der Ingenieurtechnik stand schroffe Ablehnung entgegen. Viele Franzosen fanden den Turm zu groß, geschmacklos und unangebracht, und außerdem befürchtete man, er könnte umfallen. Andere feierten ihn als innovativ, zukunftsweisend und dem Geist der Moderne verpflichtet. Vor allem dem monarchisch strukturierten Europa war das Wahrzeichen der Revolution, in der Königsköpfe rollten, ein Greuel. Umso mehr bemühte sich der französische Staat, den Eiffelturm als Errungenschaft eines von feudalen Fesseln befreiten Landes weithin bekannt zu machen. Es dauerte einige Jahre, bis das Wahrzeichen einen festen Platz im Herzen der Franzosen (und nicht nur bei ihnen!) fand.
Fantastischer Rundblick in das Umland
Tag für Tag hat der nach seinem Erbauer, dem Ingenieur Alexandre Auguste Eiffel (1832-1923), benannte Turm, tausende Besucher. Der Unternehmer war Spezialist für Brücken und tat sich auch durch den Bau eiserner Hallenkonstruktionen hervor, damals das Modernste, was die Baukunst zustande brachte. Insgesamt hat Eiffel innerhalb von zwei Jahren 15 000 Stahlteile mit 2,5 Millionen Nieten montieren lassen. Man kann den Turm auf 1652 Stufen erklettern, bequemer geht es zu den einzelnen Stockwerken mit Aufzügen. Oben angekommen, hat man einen fantastischen Rundblick bis tief in das Umland von Paris. Die Küche in den Restaurants wird als sehr schmackhaft gelobt. War die elegante, von weitem geradezu filigran wirkende Eisenkonstruktion zunächst nur Dekoration und Monument, bekam sie 1916 auch eine praktische Aufgabe als Sendeanlage. Ein Antennenmast verlängerte die ursprüngliche Höhe von 307 m auf 329,75 Meter. Heute werden vom Eiffelturm aus Fernsehsendungen ausgestrahlt.
30. April 2026