Marianne statt Lilien - Nach 1789 wurden französische Münzbilder radikal verändert



Als 1789 der auch Laubtaler genannte Ecu mit Königsbild und Lilienwappen geprägt wurde, befand sich Frankreich in einer schweren Krise, die zur Erstürmung der Bastille in Paris am 14. Juli 1789 bald darauf zum Sturz der Monarchie führte.



Auf dem Fünf-Francs-Stück von 1792 schreibt der Genius der Freiheit die Verfassung. Ein Jahr später hatte Ludwig XVI. seinen Kopf verloren.



Marianne, die Symbolfigur der Republik, trägt eine phrygische Münze und erinnert damit an das legendäre Volk der Phryger, das sich niemandem unterordnen wollte.



Herkules zerbricht auf der Kupfermünze von 1792 zu zwei Sols die königlichen Insignien, die Eule der Weisheit schaut zu.



Bis weit in unsere Zeit hat Frankreich das Herkules-Motiv aus der Zeit nach 1789 auf seinen Münzen verwendet.



Oscar Rotys „Säerin“ findet man mit einigem Glück in veränderter Form auch in unseren Geldbörsen:

Fotos: Caspar

Französische Münzen und Medaillen
sind ein interessantes Sammelgebiet und auch bei uns beliebt. Es ist in der Literatur gut dokumentier und umfasst bei den Münzen nebend den regulären Ausgaben auch die seltenen Proben (Essais), Dickabschläge (Piedforts) und weitere numismatischen Sonderlinge. Mittlerweile füllen die auf Franc und ab 2002 auf Euro lautenden Gedenkmünzen dicke Kataloge, und da viele Stücke aus Gold, Platin und Silber oft in winzigen Auflagen hergestellt wurden und werden, muss man sich sehr anstrengen und viel Geld investieren, um sie zusammen zu bekommen.

Die Revolution fraß ihre Kinder
Solange in Frankreich die Könige herrschten, galten die Lilien unter der Krone als Staatswappen. In zahlreichen Münzstätten hat man Geldstücke aus Gold, Silber und Kupfer mit diesem Symbol geschmückt. Das änderte sich radikal mit der Revolution von 1789, als Münzen und Medaillen mit neuen und ungewöhnlichen Bildern geschmückt wurden. Das Ende von König Ludwig XVI. und seiner aus Österreich stammenden Gemahlin Marie Antoinette war blutig. Nach einem vergeblichen Fluchtversuch, der Gefangennahme und zwei Prozessen wurde 1793 das entmachtete Paar mit der Guillotine geköpft, der König am 21. Januar und die Königin am 16. Oktober. Das Volk von Paris brach in Jubel aus, als man ihm die abgeschlagenen Köpfe präsentierte. Viele, die da begeistert schrien, ereilte schon bald das gleiche Schicksal, denn die Revolution fraß ihre Kinder, um einen aus der Revolutionszeit stammenden Ausdruck zu verwenden.

König der Franzosen
Schaut man sich französische Münzen der Revolutionszeit an, die mit dem Sturm auf das Staatsgefängnis in Paris, die Bastille, am 14. Juli 1789 begann, wird man einige auffällige Veränderungen feststellen können. Zwar wurde das königliche Porträt bis 1792 beibehalten, denn Ludwig XVI. war formal noch Staatsoberhaupt. Verändert hat man aber die Titulatur. Hieß es früher „Ludwig XVI. von Gottes Gnaden König von Frankreich und Navarra“, so war jetzt „König der Franzosen“ zu lesen, womit Volksnähe und veränderte Herrschaftsbeziehungen betont werden sollten.
Das verhasste Lilienwappen wurde durch einen geflügelten Genius ersetzt, der auf eine Tafel mit dem Zepter der Vernunft das Wort CONSTITUTION schreibt und damit unterstreicht, dass an die Stelle der absoluten Macht des Königs eine verfassungsmäßige Ordnung getreten ist, in der alle Macht vom Volk ausgeht, wenigstens auf dem Papier. Dass während der Revolution die schlimmsten Verbrechen und Willkürakte gegen Feinde und Freunde begangen wurden, steht auf einem anderen Blatt. Weitere Zeichen der politischen Wende sind die aus der römischen Antike übernommenen Rutenbündel (Fasces), die phrygische Mütze und der gallische Hahn als Symbole der neu erworbenen Freiheit. Marianne, die kräftig gebaute Symbolfigur der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, löste die die gekrönten Lilien ab. Seither erscheint die junge Frau in immer neuen Varianten auf den Geprägen der Republik, mal mit ihrem Brustbild, mal als ganze Figur. Bis heute werden überdies Münzen mit dem antiken Herkules geprägt, an dessen Seiten zwei weibliche Gestalten die Ideale der Republik symbolisieren.

Frau auf ihrem Weg
Ansehnlich ist auch die als Münzmotiv verwendete Frau, die über ein Feld schreitet und Getreidekörner aussäht. Erstmals wurde Ende des 19. Jahrhunderts die auch als „Frau auf ihrem Weg“ gedeutete Marianne von Louis-Oscar Roty als Sinnbild für Hoffnung und Freiheit entworfen. Das Motiv war so beliebt, dass man es seither immer wieder unverändert bei Francs- und Centimes-Stücken verwendet hat. Daher ist es auch legitim, dass die Säerin die Euromünzen schmückt, wenn auch ein wenig modernisiert. Auf der Fünf-Francs-Münze von 1796, dem fünften Jahr der Republik, symbolisieren Herkules und seine Begleiterinnen Kraft und Geschlossenheit. Bis in die Gegenwart hat man das Motiv verwendet, hier auf einem 50-Francs-Stück von 1977. Die von Oscar Roty gestaltete Säerin war und ist so beliebt, dass sie auf zahlreichen französischen Münzen vor und nach der Umstellung auf den Euro erscheint.

Verwirrung in der Sammlerschaft
Während sich die französischen Könige und Kaiser mit Gedenkmünzen zurück hielten, kommen heutzutage in unserem Nachbarland unzählige Ausgaben aus Kupfer, Silber und Gold zur Erinnerung an bedeutende Ereignisse und Gestalten der Landesgeschichte und mit weiteren Motiven heraus. Sammler haben Mühe, die Serie komplett zu bekommen, denn viele Stücke sind teuer, weil sie in kleiner Auflage hergestellt werden und aus Gold oder Platin bestehen. Der französische Staat verdient an ihnen einiges Geld, doch er stiftet Verwirrung in der Sammlerschaft. In Deutschland ist die Lage einigermaßen entspannt, wird aber langsam unübersichtlich, zumal es immer schwieriger wird, die „Neulinge“ zeitnah und preiswert zu bekommen. Zu raten ist, nicht auf Angebote im Internet einzugehen, wo ganz normale Zwei-Euro-Münzen zu drei- und vierstelligen Horrorpreisen angeboten und - so ist zu hoffen – nicht verkauft werden.

13. März 2026