„Willst du Frieden, pflege Gerechtigkeit“ -
Katalog der Medaillen zum Thema „Ius in nummis“ der Sammlung Würtenberger

Der Kopf der Justitia mit verbundenen Augen, die Waage und die altrömischen Fasces wollen am Portal des Kriminalgerichts an der Turmstraße im Berliner Ortsteil Moabit sagen, dass hier alles gerecht und gesetzeskonform zugeht.

Die Ausstellung „Ius in nummis“ bot im Bode-Museum in zwölf Segmenten Einblicke in die Medaillensammlung Würtenberger, die das Münzkabinett als Geschenk erhalten und jetzt in einem umfangreichen Katalog dokumentiert hat.
Nicht immer fallen Münz- und Medaillenausstellungen zeitlich mit der Edition der zugehörigen Kataloge zusammen. Das Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz warf 2023 und 2024 einen Blick in die Sammlung des Freiburger Juristen Thomas Würtenberger sen. „Ius in nummis“, die es von seinem Sohn Thomas Würtenberger jun. als großherziges Geschenk erhalten hatte. Für das Kabinett war es eine Ehrensache, die Objekte von der Renaissance bis heute nicht nur in einer Sonderausstellung zu zeigen, sondern auch in einem Katalog von hohem wissenschaftlichem Anspruch vorzustellen und zu kommentieren. Das Buch „Ius in nummis – Die Sammlung Thomas Würtenberger“ erschien Ende 2025 als Gemeinschaftswerk von Autorinnen und Autoren des Berliner Münzkabinetts im Battenberg Bayerland Verlag Regenstauf, hat 397 Seiten und zahlreiche farbige Abbildungen (ISBN 978-3-86646-234-2). Darüber hinaus übernahm das Berliner Münzkabinett die Aufgabe, die Sammlung Würtenberger der Öffentlichkeit durch digitale Erfassung und Erschließung zugänglich zu machen.
Rechtsprechung, Verfassungen, Völkerrecht
Das hervorragend illustrierte Buch mit umfangreichem Literaturanhang und Registern eignet sich gut, um sich auf die Suche nach einschlägigen Belegen zu machen und eine eigene Sammlung zum Thema Ius in nummis aufzubauen. Man muss nicht weit in die Vergangenheit zurück gehen, denn die neuere deutsche Münz- und Medaillengeschichte kennt zum Teil recht preiswerte Beispiele von Verberfassungstalern aus dem 19. Jahrhunderts und Medaillen mit Ansichten von Parlamentsgebäuden.

In den Revolutionsjahren 1848/49 kamen Medaillen zum Thema Nationalversammlung in Frankfurt am Main und Reichsverfassung heraus. Dass Originalschachteln zu solchen Zinnmedaillen erhalten blieben, kommt nicht alle Tage vor.
Das Buch macht im Einleitungsteil mit der Sammlung Würtenberger, ihrer Entstehung und der Übernahme durch das Berliner Münzkabinett bekannt, um sich dann mit der Frage zu befassen, wie Verfassungen, Rechtsprechung, Gerechtigkeit und Völkerrecht auf Medaillen und manchmal auch auf Münzen in Szene gesetzt wurden. Vorgestellt werden überdies Objekte aus Deutschland und anderen Ländern, die berühmte Juristen sowie Rechts- und Staatsphilosophen ehren. Weiter geht es zu den Rechts- und Verfassungsverhältnissen im Römisch-Deutschen Reich und zur Adelsherrschaft in der Verwaltung und Gerichtsbarkeit in Frankreich vor der Revolution von 1789. Erläutert wird auch, wie die britische Verfassung im späten 18. Und 19. Jahrhundert auf Medaillen verherrlicht wurde. Schließlich lesen wir in einer Auswahl historische Wahlsprüche wie „Gerechtigkeit geschehe, möge die Welt auch untergehen“, „Jedem das Seine“, „Gerechtigkeit ist das Licht der Welt“, Recht muss Recht bleiben“ und „Wenn du Freiheit willst, pflege die Gerechtigkeit.“ Der Satz steht über einem Fenster am Friedenspalast und ist eine Antwort auf das aus der Antike stammende Schlagwort „Si vis pacem pare bellum“ (Willst du Frieden, dann rüste dich für Krieg).

Wer sich für das Thema „Ius in nummis“ interessiert, kann gleich vor der eigenen Haustür beginnen, denn diese Fünf-Mark-Stücke von 1971 und 1973 und das Zehn-Mark-Stück von 2001 könnten den Anfang einer Spezialsammlung bilden. Das Zehn-Mark-Stück von 2001 zu 50 Jahren Bundesverfassungsgericht zitiert den Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR. SIE ZU ACHTEN UND ZU SCHÜTZEN IST VERPFLICHTUNG ALLER STAATLICHEN GEWALT.
Schenkung an Berliner Münzkabinett
Thomas Würtenberger jun., der neben Johannes Eberhardt die Redaktion des Katalogs innehatte, erbte die Sammlung von seinem 1989 verstorbenen Vater mit dem gleichen Vornamen Thomas. Der bekannte Strafrechtslehrer, Rechtsphilosoph und Kriminologe war zu dem Thema von Guido Kisch, dem Autor des Standardwerks „Recht und Gerechtigkeit in der Medaillenkunst“ (Heidelberg 1955), gelangt und hat mit viel Geduld eine eigene Kollektion dieser Art aufgebaut. Beschrieben werden in dem Buch zahlreiche Medaillen und einige Münzen, die sich mit der Frage befassen, was Recht und Gerechtigkeit bedeuten und dass es zwischen beiden oft große Diskrepanzen gibt. Erörtert wird ferner, wie die Rechtsprechung und Gesetzgebung, aber auch Verfassungen und Parlamente, Gerichte und verwandte Bereichen auf geprägtem Metall gewürdigt wurden und werden. Dabei zeigt sich, dass sich fürstliche und andere Autokraten gern als besorgte Landesväter und kluge Rechtswahrer auf geprägtem Metall feiern ließen. Doch zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass sie, wenn es um ihre eigene Macht und Herrlichkeit ging, das Recht nach Gutdünken beugten.

Einige Medaillen feiern im schönsten Jugendstil die Mühen im 19. und 20. Jahrhundert den Kampf um verfassungsmäßige Zustände, den Schutz demokratischer Errungenschaften und unabhängige Rechtsprechung sowie um internationale Landkriegs-und Friedensordnungen. Jacob Jan van Goor schuf 1913 die Plakette mit dem Friedenspalast in Den Haag zur 18. Interparlamentarischen Konferenz.
Mit Waage und verbundenen Augen

Die französischen Medaillen, auch Jetons genannt, zeigen Königsbildnisse, Wappen und allegorische Figuren sowie Geräte, mit denen Mitarbeiter der einer besonderen Gerichtsbarkeit unterliegenden Münzstätten unterlagen.
Da Thomas Würtenberger jun. lange in Frankreich tätig war und dort auch lehrte, verwundert es nicht, dass viele seiner Medaillen und Plaketten die Pflege des Rechts in unserem Nachbarland behandeln. Hervorgehoben wird unter anderem Kaiser Napoleon I., der mit seinem auch für andere Länder vorbildlichen Code civil Rechtsgeschichte schrieb, bei seinen Kriegs- und Raubzügen quer durch Europa aber das Gegenteil seiner hohen Ansprüche tat und einsam 1821, eine breite Blutspur hinterlassend, als Gefangener der britischen Krone auf der fernen Insel Sankt Helena mit nur 52 Jahren starb. Neu dürfte für manche Leser und Sammler sein, dass es in Frankreich eine besondere Gerichtsbarkeit gab, die sich speziell mit allem befasste, was mit der Herstellung von Münzen und Medaillen zu tun hat. Sie verfolgte und bestrafte Münzfälscher und und ahndete Verstöße gegen die Feingehaltsvorschriften von Münzen. Die Strafen waren hart, und es wurden auch Todesstrafen verhängt.
Fotos/Repros: Caspar und aus dem besprochenen Buch
5. Januar 2026