Sachsens Glanz und Elend -
Helmut Kahnt listet in neuem Katalog die Münzen Augusts des Starken auf, nennt bisher unbekannte Varianten und gibt Bewertungen ab

Das Buch von Helmut Kahnt „Die Münzen Augusts des Starken“ erschien 2026 in zweiter überarbeiteter und erweiterter Auflage im Battenberg Bayerland Verlag Regenstauf, hat 331 Seiten und zahlreiche Abbildungen und kostet 49 Euro (ISBN 978-3-86646-275-5).

Mit Kurschwert ausgestattet, zeigt sich Friedrich August von Sachsen im Ornat der Fürsten, die zur Kaiserwahl berechtigt waren.

Als Goldener Reiter glänzt Friedrich August I.,der sich als polnischer König August II. nannte, in der Dresdner Neustadt.

Sammler müssen ganz tief in die Tasche greifen, wenn sie Dukaten auf die Krönung des Sachsenherrschers 1697 zum König von Polen haben möchten.

Haupt-und Staatsaktionen wie die Verleihung des dänischen Elefantenordens an den Kurfürsten von Sachsen und König von Polen 1702.

Zum Vogelschießen anlässlich des Besuchs des Markgrafen Georg Wilhelm von Brandenburg-Bayreuth in Dresden kam 1714 eine mit dem Schießplatz versehene Talerklippe heraus.

August der Starke scheffelte viel Geld durch Ausgabe der „rote Seufzer“ genannten Sechs-Pfennig-Münzen aus minderwertigem Silber. Der Gulden von 1708 nennt ihn nur Rex (König) und Elector (Kurfürst).
Fotos/Repros: Caspar
Durch einen tragischen Zufall gelangte August der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, im Jahr 1694 auf den Thron. Seit 1691 saß dort sein älterer Bruder Johann Georg IV., doch als dieser nach nur dreijähriger Regierungszeit an einer Infektionskrankheit starb, ohne Kinder zu hinterlassen, war der Weg frei für den vierundzwanzigjährigen Friedrich August in die erste Liga der deutschen Fürsten. Machtbewusst, risikofreudig und in zahlreiche Frauenaffären verwickelt, wusste Friedrich August I. durch eine luxuriöse Hofhaltung und bedeutende Körperkräfte zu imponieren. Er glänzte als Bauherr, Mäzen sowie als Kunst- und Juwelensammler, weniger allerdings als Feldherr und ein vom Volk geliebter Landesvater. Dass er das von seinen Untertanen sauer verdiente Geld mit vollen Händen zum Fenster hinaus warf und vor über 300 Jahren viel Elend und Not über sein Land brachte, hat der Popularität des kurfürstlichen Kraftprotzen keinen Abbruch getan.
Noch längst ist nicht alles erkannt und erfasst
Bis zum Ende seiner Herrschaft 1733 ließ August der Starke, der sich als König von Polen August II. nannte, unzählige Münzen und Medaillen prägen. Was da an Talern und .Dukaten, Gulden, Groschen und Pfennigen entstand, hat Helmut Kahnt in einem Nachschlage- und Zitierwerk erfasst, dessen zweite erweiterte Auflage jetzt erschien ist. Das Buch ist Teil einer im Battenberg Bayerland Gietl Verlag publizierten Schriftenreihe, in der die Münzprägung der Kurfürsten und ab 1806 Könige von Sachsen seit dem Beginn der Neuzeit in allen ihren Facetten erfasst und bewertet wird. Es löst ältere, kaum noch erhältliche und zudem unvollständige Sachsen-Kataloge ab und wird Sammler, Museumsleute und Münzhändler gleichermaßen interessieren. Das reich illustrierte Buch zeigt erneut, dass auf diesem Gebiet noch längst nicht alles erkannt und erfasst ist. Kahnt hat neue Varianten und Jahrgänge erfasst, die 2009, als die erste Auflage des Katalogs erschien, noch unbekannt waren. Und sollte es eine dritte Auflage geben, dann wird auch sie ganz gewiss heute unentdeckte Stücke enthalten.
Liebhaberpreise für besondere Raritäten
Beginnend mit dem Jahr der Thronbesteigung 1694 und endend mit dem Todesjahr Augusts des Starken 1733, sind in größtmöglicher Vollständigkeit und vielen Varianten zunächst die Umlaufmünzen von den höchsten Werten zu mehreren Dukaten bis zu den kleinsten Nominalen erfasst, gefolgt von den Gedenkmünzen sowie Geprägen, die für Polen, Litauen und Danzig geschlagen wurden. Große Sorgfalt hat der Verfasser auf den Nachweis der Münzen in großen Sammlungen und der Fachliteratur sowie auf die Bewertung nach Auktionsergebnissen und dem Studium von Händlerangeboten gelegt. Bei besonderen Raritäten liest man LP für „Liebhaberpreis“ als Werthinweis. Dazu gehören schwergewichtige Abschläge von Talerstempeln auf Goldschrötlingen, die offenbar zu Geschenkzwecken an befreundete Fürsten und Günstlinge verteilt wurden und exorbitante Preise erzielen.
Das Buch ist nach Nominalen aus Gold und Silber gegliedert, es folgen Gedenkmünzen aus diesem Metallen sowie Prägungen für Polen und Litauen sowie für die Städte Danzig, Elbing und Thorn. Zum Schluss findet man ein umfangreiches Literaturverzeichnis. Der Katalog listet alle bekannten Gold- und Silbermünzen auf, beginnend bei den höchsten Werten, und stellt in einem zweiten Teil Gedenkausgaben zusammen, die Huldigungen sowie die Wahl und Krönung Augusts des Starken zum König von Polen, seine Teilnahme an Feldzügen gegen die Türken und andere „Haupt- und Staatsaktionen“ feiern. Aufgeführt werden auch Schießklippen und Sterbemünzen, mit denen sich August als treu sorgender Landesherr und Gastgeber beziehungsweise als und trauender Witwer in Szene setzte.
Geprägtes Metall als Propagandamedium
Helmut Kahnt schreibt, es sei erstaunlich, was seit der ersten Auflage von 2009 an bisher unbekannten Münztypen und Jahrgängen auf dem Münzenmarkt zum Vorschein gekommen ist und nennt drei bisher unbekannte Fünf-Dukaten-Stücke und ein Leipziger Fünf-Dukaten-Stück von 1697, bei dem Augusts neu erworbene Titel eines König von Polen fehlt (siehe Abbildung auf dem Buchcover). Dass der Kurfürst und König Münzen und Medaillen glänzend als Propagandamedium zu nutzen verstand, ja dass er auf die Gestaltung geprägten Metalls Einfluss nahm und Themen und Bilder bestimmte, erfährt der Leser nur aus anderen Quellen.
Wie schon 2009 bei der Würdigung der ersten Auflage betont, ist auch in der zweiten Auflage eine gute Gelegenheit verpasst, numismatische Informationen mit solchen aus der sächsisch-polnischen Herrscher- und Landesgeschichte zu verbinden und Lesern und Sammlern zu neuen Erkenntnissen zu verhelfen. Im Fall der in verschiedenen Größen geprägten (und später nachgeprägten) Schmetterlingsmünzen von 1708/9 mit dem königlichen Monogramm AR für Augustus Rex merkt Kahnt an, es könne sich um Spielgeld handeln. Solche Hinweise hätte man sich auch bei anderen im Katalog erfassten Münzen gewünscht.
Was ist mit den Roten Seufzern?
Bei aller Freude über das Erscheinen der mit vielen neuen Informationen versehenen zweiten überarbeiteten und erweiterten Neuauflage muss gesagt werden, dass ihr einleitende Hinweise auf die Geld- und Münzpolitik unter Sachsens berühmtestem Herrscher gut getan hätte. Woher bezog er das das Gold und Silber für seine Emissionen, zu welchem Zweck wurden Sonder- und Gedenkmünzen aufgelegt, wie hat August in Gestaltungsfragen eingegriffen – das wären Fragen, die kurz und knapp abgehandelt dem Katalog gut getan hätten. So muss man sich auch aus der numismatischen Literatur heraussuchen, was es mit den berüchtigten „Roten Seufzern“ auf sich hat, die August schlagen ließ, um durch diese minderwertigen, fast nur aus Kupfer bestehenden und im Volk verhassten Emissionen Juwelenrechnungen bezahlen zu können. Dann gab es die Vikariatsmünzen von 1711, die nach dem Tod des römisch-deutschen Kaisers Joseph I. geschlagen wurden, als August für die Zeit bis zur nächsten Kaiserwahl das prestigeträchtige Amt des Reichsvikars übernahm und es durch Gold und Silbermünzen feierte. Beim sogenannten Coselgulden von 1705 bis 1707 hätte ich mir gewünscht, dass die auf eine Geliebte des Sachsenherrschers weisende Bezeichnung in einer Anmerkung erläutert worden wäre. Der eigentlich unübliche Zentrierpunkt zwischen den Wappenschilden von Polen und Litauen sowie Sachsen wird – zu Recht oder zu Unrecht und warum überhaupt - als Vulva der Gräfin Anna Constantia von Cosel gedeutet. Kurze Zusätze bei den entsprechenden Münzen hätten dem sonst verdienstvollen Katalog gut getan. Das gilt auch für andere Münzen, für die Sammler bisweilen viel Geld hinzulegen bereit sind. Helmut Caspar
3. Juni 2026