Abukir-Gold sicher im Tresor - unersetzliche Kunstwerke im Berliner Münzkabinett durch Kopien ersetzt

Dass auch in Münzausstellungen nicht alles echt und alt ist,
erfuhr ich beim Besuch der Ausstellung des Münzkabinetts im Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel. Meine Frage, ob die in einer Vitrine ausgelegten Goldmedaillone aus Abukir die Originale sind oder galvanoplastische Nachbildungen, konnte niemand vom Aufsichtspersonal beantworten. Das tat Prof. Dr. Bernhard Weisser, der Direktor des Münzkabinetts. Nach dem Diebstahl der kanadischen Gold-Münze mit dem Bildnis von Queen Elizabeth II. und dem Ahornblatt auf der Rückseite am 27. März 2017 wurden die 1902 bei Ausgrabungen gefundenen Goldmedaillone noch im gleichen Jahr aus Sicherheitsgründen durch so genannte Galvanos ausgetauscht. Wie solche Kopien angefertigt werden, wurde vor einiger Zeit in der Ausstellung „Lange Finger – Falsche Münzen“ demonstriert.

  

Die unersetzlichen Originale aus dem Fund von Abukir liegen sicher im Tresor des Münzkabinetts.

Das Münzkabinett hat dem Berliner Textilhändler, Kunsthändler und Mäzen James Simon (1851-1932) viel zu verdanken, und zwar nicht nur die von ihm so geliebten Renaissance-Medaillen, sondern auch Münzen der Neuzeit sowie fünf antike Goldmedaillone aus dem Fund von Abukir. 1902 waren Arbeiter in Abukir nordöstlich von Alexandria auf einen spektakulären Goldschatz gestoßen, bestehend aus 20 außergewöhnlich großen Medaillonen sowie Barren aus Gold und etwa 600 Goldmünzen aus der Zeit um 220 bis 300 nach Christus. Der um das Jahr 300 vergrabene Schatz wurde an ortsansässige Händler verkauft, tauchte aber bald auf dem europäischen Kunstmarkt auf. Das Berliner Kabinett konnte mit Unterstützung von James Simon und weiteren Sponsoren fünf der zwischen 48 und 60 Millimeter großen Kunstwerke kaufen. Ohne diese Hilfe hätten die Königlichen Museen die verlangten 120 000 Goldmark nicht aufbringen können.

  

Es wird angenommen, dass sie anlässlich der mit Sport- und Kulturwettkämpfen verbundenen Alexanderspiele in Beroia, der zeitweiligen Hauptstadt der römischen Provinz Makedonien, an hohe Würdenträger und Beamte sowie siegreiche Athleten vergeben wurden.

Die Medaillone zeigen Bildnisse von Alexander dem Großen, mal mit Diadem, mal mit einem Helm oder barhäuptig in Vorderansicht. Hinzu kommen weitere Stücke mit der Büste der Olympia, der Mutter Alexanders des Großen, sowie mit einer Büste des römischen Kaisers Caracalla. Die Porträts werden rückseitig mit unterschiedlichen Darstellungen der Siegesgöttin Nike kombiniert.



Weil James Simon – hier Medaillen von 1912 und zu seinem Tod 1932 – Jude war, wurde er von den Nationalsozialisten geächtet. Sie ließen in den Museen alle Hinweise seine Schenkungen finanziellen Hilfen beseitigen. Erst in unseren Tagen hat man den großzügigen Mäzen wiederentdeckt und der neuen Eingangsgalerie für die Berliner Museumsinsel seinen Namen gegeben.

Außer diesen herausragenden Zeugnissen antiker Münz- und Prägekunst überließ James Simon dem Kabinett rund 400 Münzen und Medaillen anlässlich seines Einzugs in das am 18. Oktober 1904 eröffnete Kaiser-Friedrich-Museum, das heutige Bode Museum. Wie Wolfgang Steguweit in dem Buch „James Simon – Philanthrop und Kunstmäzen“ (Prestel Verlag München 2006) betont, lassen Simons Geschenke an das Berliner Münzkabinett auf Simons enzyklopädische Absicht schließen, „jedem bedeutenden Teilbestand gleichermaßen etwas zugute kommen zu lassen, um somit dem Münzkabinett zur Gänze zu dienen“. Wenn man alle Schenkungen von Simon betrachtet, zeige sich das besondere Interesse des Sammlers für Renaissancemedaillen. Mehr als 400 Medaillen aus dieser Zeit stiftete Simon als „Morgengabe“ zur Eröffnung des Museums, wo sie im Raum der James-Simon-Sammlung mit den weiteren Kunstwerken vereint sind.



Erst in unseren Tagen hat man den großzügigen Mäzen wiederentdeckt und der neuen Eingangsgalerie für die Berliner Museumsinsel seinen Namen gegeben.



Im Bode-Museum ist ein besonderer Raum James Simon gewidmet. Er wurde dem Saal nachgestaltet, in dem Simons Geschenke an die Berliner Museen ausgestellt waren.

Fotos: Caspar

13. Februar 2026