Aus Ravenna an die Spree – Das Bode-Museum birgt mit christlichen Mosaiken einen besonderen Schatz



Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Erinnerung an die Hohenzollern nicht mehr opportun. Folgerichtig bekam das bisherige Kaiser-Friedrich-Museum den Namen Bode-Museum. Dies geschah als Reverenz an Wilhelm von Bode, der sich als Generaldirektor um die Königlichen beziehungsweise Staatlichen Museen große Verdienste erworben hat und selber ein bedeutender Kunstwissenschaftler, Buchautor und Mäzen war.



Im Vestibül unter der großen Kuppel reitet der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, von Andreas Schlüter geformt, den Besuchern entgegen.



Die Ausstellung im Pergamonpanorama möchte die Besucher ein wenig darüber trösten, dass sie das Pergamonmuseum wegen der Bauarbeiten bis 2027 nicht betreten können.

  

Meisterwerke mittelalterlicher Bildhauerkunst aus Stein und Holz, aber auch Kunstwerke aus späterer Zeit sind Schaustücke der Skulpturensammlung im Bode-Museum auf der Museumsinsel. In der Ausstellung der Skulpturensammlung kann man Bildwerke vom Mittelalter bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts betrachten, was folgte, ist in der Alten Nationalgalerie zu sehen. Die Gemäldegalerie am Kulturforum hat bedeutende Bilder ans Bode-Museum abgegeben.



Ausdruck tiefer Religiosität und der Sehnsucht der Hohenzollern nach Italien, dem Land, wo die Zitronen blühen, um eine Zeile aus Goethes Gedicht „Mignon“ zu erwähnen, sind die Mosaiken in den Apsiden des Byzantinischen Museums beziehungsweise der Potsdamer Friedenskirche. Das Kunstwerk stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert.



Skulpturen, Architekturfragmente und Gegenstände des Alltags und der christlichen Religion geben Hinweise auf Glauben und Leben in spätantiken Ländern.

Fotos: Caspar

In Berlin gibt es eine verwirrende Vielfalt
von großen und kleinen Museen, weit über einhundert sollen es sein. Als das älteste 1830 am Lustgarten eröffnet wurde, hieß es schlicht Königliches Museum, ein stolzer Säulenbau nach Karl Friedrich Schinkels Entwürfen. Der Platz reichte schon bald nicht mehr aus, weshalb wenige Jahre später ein weiteres Museum dazu kam, und schon gab es Namensprobleme. Für das Haus von 1830 bürgerte sich der Begriff Altes Museum ein, der 1855 vollendete Bau wenige Schritte weiter (Architekt: Friedrich August Stüler) für die Ägyptische Sammlung und die Objekte aus der Vor- und Frühgeschichte hieß von nun an Neues Museum.
Die 1876 eröffnete Nationalgalerie mit der Widmung im Giebel DER DEUTSCHEN KUNST (Architekt: Friedrich August Stüler, Ausführung nach dessen Tod Johann Heinrich Strack) hieß nie anders, doch erst nach der Wiedervereinigung 1990 bürgerte sich für sie die Bezeichnung Alte Nationalgalerie ein. Sie gehört zu den bekanntesten Museen in der Hauptstadt. Gegründet wurde sie durch ein großzügiges Geschenk von 262 Gemälden aus dem Besitz des Berliner Bankiers und Konsuls Joachim Heinrich Wilhelm Wagener an den preußischen König Wilhelm I., den späteren Kaiser Wilhelm I. Die 1965 bis 1968 erbaute Nationalgalerie am Kulturforum im Bezirk Tiergarten (Architekt: Ludwig Mies van der Rohe) ist zur besseren Unterscheidung als Neue Nationalgalerie ein Begriff.

Ausflug ins antike Pergamon
Das aktuell noch im Umbau befindliche und daher für Besucher geschlossene Pergamonmuseum wird bald hundert Jahre alt. Das 1930 eingeweihte Bauwerks (Architekten Alfred Messel und Ludwig Hoffmann) erinnert mit seinem Namen an den Altar von Pergamon, dessen eindrucksvolle Reste im späten 19. Jahrhundert nach Berlin gelangten und zunächst in einem kleinen Vorgängerbau gezeigt wurden. Auf der anderen Seite des Kupfergrabens lädt das Pergamonpanorama zu einen Ausflug in die Antike und speziell nach Pergamon ein. Das von Yadegar Asisi geschaffene Panoramagemälde vermittelt den Besuchern eine Vorstellung vom Leben in Pergamon um das Jahr 129 nach Christus und bildet mit im Eingangsbereich aufgestellten archäologischen Hinterlassenschaften von dort eine Einheit.
Die 2009 bis 2028 nach Plänen des britischen Architekten David Chipperfield erbaute James-Simon-Galerie ist das zentrale Eingangsgebäude für die Häuser auf der Museumsinsel und bietet seither Platz für Sonderausstellungen. Der Name erinnerte an den jüdischen Unternehmer und Mäzen James Simon, dem die Königlichen, seit 1918 Staatlichen Museen zu Berlin bedeutende Geschenke und finanzielle Zuwendungen verdanken, allen voran die berühmte Büste der altägyptischen Königin Nofretete. Im Bode-Museum ist ein Raum eingerichtet, in dem von Simon gesammelte und den Museen gestiftete Bilder und Skulpturen gezeigt werden. Die Galerie bildet den Auftakt für die Archäologische Promenade, auf der man unterirdisch die anderen Häuser auf der Museumsinsel erreicht.

Viel sehen und lernen
Das Bode-Museum auf der Spitze der Museumsinsel leidet etwas unter seinem Namen, denn viele Menschen können mit dem Namen nichts anfangen. Eine Würdigung des Namensgebers an repräsentativer Stelle wäre gut. Manchen Gästen fehlt nach dem doch recht anstrengenden Besuch des Alten Museums, der Alten Nationalgalerie und des Neuen Museums die Kraft und Zeit, sich auch noch in dem Kuppelbau umzuschauen. Dennoch lohnt sich ein Besuch, denn hier gibt es viel zu sehen und zu lernen.
Das Bode-Museum hieß ursprünglich Kaiser-Friedrich-Museum (Architekt: Ernst von Ihne). Als es 1904 eröffnet wurde, hat man hier Gemälde und Skulpturen ausgestellt. Im Souterrain ist das Münzkabinett mit Arbeitsräumen, Lesesaal, Bibliothek und einen 65 Meter langen Tresor untergebracht. Der Name des neobarocken Kuppelbaus erinnerte lange Zeit an den so genannten 99-Tage-Kaiser Friedrich III., der 1888 nach dem Tod von Wilhelm I. nur etwas mehr als drei Monate regierte. Sein Sohn und Nachfolger Wilhelm II. setzte dem kunstbegeisterten Vater mit dem nach neuen Gesichtspunkten mit Themenräumen und zwei repräsentativen Treppenhäusern gestaltetes Haus ein eindrucksvolles Denkmal. Der großen Kuppelhalle mit der Kopie des Reiterdenkmal des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg sowie vergoldeten Medaillons von Hohenzollernherrschern folgt die Kamecke-Halle mit Figuren von Schlüter, die den Zweiten Weltkrieg überstanden haben, die Basilika mit Gemälden und Skulpturen aus der italienischen Renaissance und die kleine Kuppelhalle im Rokokostil mit einer Treppenanlage und einer Sammlung von Marmorfiguren des preußischen Königs Friedrich II., des Großen, und einiger seiner Generale. Die Skulpturensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz lädt mit Bildwerken aus deutschsprachigen Ländern sowie aus Frankreich, den Niederlanden, Italien und Spanien ins Bode-Museum zu einem Streifzug durch die Kunstgeschichte vom frühen Mittelalter bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert ein. Die ursprünglich im Bode-Museum ansässige Gemäldegalerie bleibt dauerhaft am Kulturforum, gab aber 150 Bilder an das Bode-Museum ab. Sie werden dort im Sinne von Wilhelm von Bode gemeinsam mit Skulpturen, Gobelins, kunsthandwerklichen Arbeiten und anderen Exponaten gezeigt. Dr. von Bode war ein deutscher Kunsthistoriker. Der Museumsfachmann gilt als der Mitbegründer des modernen Museumswesens. (Wikipedia)

Alltagsgegenstände aus der Spätantike
Das Museum für Byzantinische Kunst besitzt eine erstrangige Sammlung spätantiker und byzantinischer Kunstwerke und Alltagsgegenstände aus dem Weströmischen und Byzantinischen Reich zwischen dem 3. und 15. Jahrhundert. Hinzu kommen nachbyzantinische Ikonen und Kleinkunstwerke aus Bronze und Edelmetall, aber auch Sarkophage und Elfenbeinarbeiten. Die Exponate stammen aus nahezu allen Gegenden des antiken Mittelmeerraumes, aus Rom und Italien, aus Istanbul, das in byzantinischer Zeit Konstantinopel hieß. Die Ausstellung zeigt überdies Stücke aus der Türkei, Griechenland und den Balkanländern, aus Ägypten, Nubien, Äthiopien, Nordafrika, aus den Ländern des Nahen Ostens und Russland entsprechend der Ausdehnung des West- und Oströmischen Reiches und der Staaten, die ihr Erbe angetreten haben. Der reiche Bestand figürlicher und ornamentaler Skulptur ermöglicht das Studium der stilistischen Vielfalt und Veränderung dieser Gattung, wie es sonst nur noch im Archäologischen Museum Istanbul möglich ist. Sehenswert sind auch Bodenfunde aus organischen Materialien wie Holz und Textilien, die ihre Erhaltung dem heißen und trockenen Wüstenklima Ägyptens verdanken.
Eine besondere „Augenweide“ ist das aus der Kirche in Ravenna stammende und am Ende des Ausstellungsraums präsentierte Apsismosaik mit dem in einer Paradieslandschaft stehenden jugendlichen Christus. In der Rechten hält er das Kreuz als Zeichen seiner siegreich überwundenen Passion. Christus hält ein geöffnetes Buch in der linken Hand mit den lateinischen Textstellen: „Wer mich sieht, sieht auch den Vater“ (Johannes 14,9) und „Ich und der Vater sind eins“ (Johannes 10,30). Zu seiner Seite weisen die Erzenge Michael und Gabriel auf den Erlöser.

Italiensehnsucht der Hohenzollern
Das Mosaik ist ein Dokument für die Italiensehnsucht der Hohenzollern und der Liebe für die Hinterlassenschaften dieses Landes, die auch in Berlin und Potsdam in königlichen und bürgerlichen Bauten des 19. Jahrhunderts ihren Ausdruck fand. Als Kronprinz ersteigerte der spätere König Friedrich Wilhelm IV. das im Bode-Museum ausgestellte veneto-byzantinisches Mosaik aus der Kirche San Cipriano der Insel Murano bei Venedig. Das aus dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts stammende Kunstwerk wurde für 385 Taler vor der Vernichtung bewahrt und auf dem Wasserweg nach Potsdam gebracht. In der Friedenskirche am Rande des Potsdamer Parks Sanssouci wurde in den vergangenen Jahren ein aus Venedig stammendes Apsismosaik gereinigt und restauriert.

3. Januar 2026