Zwei museal benachbarte, unterschiedliche Themen:
Geschenke erhalten die Freundschaft - Ausstellung zeigt, was den Bürgermeistern seit 75 Jahren geschenkt wurde
Der Warschauer Aufstand von 1944 und die Folgen

Rund um das Treppenhaus ist im Roten Rathaus die Ausstellung über den Warschauer Aufstand aufgebaut, in den angrenzen Sälen ist „Berlin packt aus“ zu sehen.

Die Ziehharmonika und der Reiter aus Porzellan mit einem Fußball fanden einst den Weg aus Buenos Aires und Wien an die Spree.

Die 750-Jahrfeier, die 1987 im damals noch geteilten Berlin prunkvoll gefeiert wurde, war für Städtepartner eine gute Gelegenheit, sich an der Spree mit mehr oder weniger originellen Gastgeschenken zu präsentieren.

In einem der Säle ist außer den Geschenken auch der aus bunten Lego-Steinen gebaute Amtssitz des Regierenden Bürgermeisters zu sehen.
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Polens kommunistische Regierung erteilte nach langem Zögern am 12. April 1988 die Erlaubnis zum Bau des Denkmals für den Warschauer Aufstand, das am 1. August 1989, dem 45. Jahrestag, enthüllt wurde.
Fotos: Caspar
Geschenke, so sagt man, erhalten die Freundschaft, und sie haben es an sich, dass sie in ähnlicher Weise erwidert werden. Am Hof von Kaiser Wilhelm II. waren hochrangige Beamte nur damit beschäftigt, passende Hofgeschenke, im Aussehen und Wert nach den Empfängern angestimmt, auszuwählen und mit der Diplomatenpost zu versenden. Wenn der Kaiser Familienmitglieder und ausländische Potentaten beschenkte, ging es oft preußisch-spartanisch zu. Manchmal mussten die betreffenden Personen noch etwas dazu zahlen. Die Spanne der Hof- und Ehrengeschenke reichte von einer fünf Mark teuren Reproduktion des kaiserlichen Konterfeis, das dem italienischen König übersandt wurde, über Ölporträts des Monarchen sowie Prachtbände, die durch schwungvolle Widmungen „geadelt“ wurden, bis zu aufwändigen Services aus der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin.
Im kaiserlichen Geschenkekorb lagen silberne Zigarettenetuis für Zar Nikolaus II. und Vasen für den Kaiser von China. Als Missgriff erwiesen sich bemalte Bleisoldaten für die noch minderjährige Königin Wilhelmina der Niederlande. Als sie das eigentlich für Jungen bestimmte Spielzeug bekam, wurde Berlin bedeutet, man möge Ihre Majestät mit solchen Geschenke verschonen, schließlich werde sie langsam groß. Der Fauxpas hinderte Wilhelmina nicht, dem Kaiser nach der Novemberrevolution von 1918 Exil zu gewähren.
Kaiserin musste ordentlich zuzahlen
Am Berliner und Potsdamer Hof war genau festgelegt, welche Aufmerksamkeiten und Geldgeschenke Familienangehörige zu Weihnachten und zu Geburtstagen bekamen. Vierstellige Summen wurden kaum ausgegeben. Wurden einmal höhere Beträge angewiesen, mussten die Beschenkten mitunter für die Restsumme in die eigene Tasche greifen. So erging es der Mutter des Monarchen, Kaiserin Friedrich. Die Tochter der englischen Königin Viktoria, die mit ihrem Sohn Wilhelm II. erhebliche Differenzen hatte, bekam Probleme mit einem Autographenschrank, der noch vom 99-Tage-Kaiser Friedrich III. bestellt worden war, aber erst nach dessen Tod (1888) vollendet wurde. Das einem Münzenschrank Friedrichs des Großen im Potsdamer Neuen Palais nachgestaltete Möbelstück für die Handschriftensammlung des an Kehlkopfkrebs früh verstorbenen Monarchen kostete 4500 Mark und überstieg bei weitem jene 900 Mark, die Ihrer Majestät vom nunmehr regierenden Sohn zu Weihnachten zugestanden wurden. Also war die Kaiserinmutter genötigt, den Restbetrag selber zuzuschießen. Als das edle Geschenk, das eigentlich keines war, endlich angekommen war, bestätigte sie den „Geschenkvorgang“ mit der trocknen Bemerkung „Maj. dankt für Zusendung“.
Berlin packt aus
Das war bei den in der neuen Ausstellung „Berlin packt aus - Gastgeschenke aus 75 Jahren“ im Roten Rathaus unweit des Berliner Alexanderplatzes gezeigten Objekte nicht nötig. Sie sind zum Teil edel gestaltet, manche aber sind von schrecklicher Kitschigkeit und irgendwie charakteristisch für teilweise Einfallslosigkeit des damaligen und heutigen Kunsthandwerks. Da die Regierenden Bürgermeister die Geschenke nicht behalten dürfen, gingen sie ins Depot oder schmücken Amtsstuben. Was die Beschenkten empfanden, als man ihnen bunt bemalte Teller, Stadtwappen, Teeservices, Leuchter, Wandfliesen, Glaskaraffen, Manschettenknöpfe und Hemden, überdimensionale Stadtschlüssel und weitere Souvenirs überreichte, ist nicht überliefert. Bei manchen glaubt man zu hören „Danke, war aber nicht nötig“.
Die Auswahl wurde von Christopher Vorwerk (Stadtmuseum Berlin) vorgenommen und kuratiert und vereint in Festsälen der ersten Etage des Roten Rathauses fast 500 Gastgeschenke. Es entstand eine Wunderkammer mit sieben Abschnitten mit Objekten aus über hundert Ländern. Manche Stücke schauen aus, als seien sie im Asia-Laden um die Ecke gekauft, andere sind aus edlem Material und sind wie von Künstlerhand gestaltet.
Gute internationale Beziehungen
Die Geschenke an Berlin und seine Bürgermeister unterstreichen die guten internationalen Beziehungen der Stadt und die Partnerschaften mit anderen Regionen und Kommunen. Die Ausstellung versammelt nicht nur einfach Geschenke, sondern Geschichten und Geschichte aus aller Welt mit Berlin als gemeinsamen Bezugspunkt.sind in zwei Vitrinen Medaillen ausgelegt, die dem Berliner Stadtoberhaupt von verschiedenen Kommunen geschenkt wurden. Da die Bürgermeister die Geschenke nicht behalten dürfen, gingen sie ins Depot oder schmücken Amtsstuben. Was die Beschenkten empfanden, als man ihnen bunte Teller, Stadtwappen, Teeservices, Hemden, Leuchter, Wandfliesen, Glaskaraffen, Manschettenknöpfe, überdimensionale Stadtschlüssel und weitere Gegenstände überreichte, ist nicht überliefert. Bei manchen Geschenken glaubt man zu hören „Oh Gott, wie hässlich, das war doch nicht nötig“. Jedes Geschenk markiert einen ganz konkreten Moment im Strom der Zeit. So ist die rund 3.800 Objekte umfassende Sammlung ein Zeugnis für Beziehungen über Jahre und Jahrzehnte hinweg.
Volkserhebung gegen deutsche Besatzer
Wenige Schritte von der Geschenke-Ausstellung zeigt die Bild-Text-Dokumentation „Der Warschauer Aufstand 1944“ bis zum 4. September 2026, wie die Volkserhebung in der polnischen Hauptstadt von den deutschen Besatzern auf Befehl von Hitler und seines Reichsführers SS Heinrich Himmler mit äußerster Brutalität niedergeschlagen und die Bauten dem Erdboden gleich gemacht wurden. Die Ausstellung im Roten Rathaus über den Warschauer Aufstand war vor einigen Jahren in der Topographie des Terrors in Berlin-Kreuzberg zu sehen. Das Museum des Warschauer Aufstandes beginnt seine Rückschau mit Bildern aus der Zeit vor 1939 und beendet sie mit der Wiedergeburt in der Nachkriegszeit. Fotos zeigen das Leben im Ghetto und wie sich die Eingeschlossenen untereinander halfen und sogar Schulen und Krankenstationen einrichteten. Besucher verharren schweigend vor den Bildtafeln mit toten Menschen auf den Straßen und wie die Deutschen Angst und Schrecken unter den Lebenden verbreiteten.
Reichsführer SS Heinrich Himmler erklärte am 21. September 1944 (laut Schrifttafel in der Ausstellung): „Wie ich die Nachrichten von dem Aufstand in Warschau hörte, ging ich sofort zum Führer. (....) Ich sagte: ,Mein Führer, der Zeitpunkt ist unsympathisch. Geschichtlich gesehen, ist es ein Segen, dass die Polen das machen. Über die fünf sechs Wochen kommen wir hinweg. Dann aber ist Warschau, die Hauptstadt, der Kopf, die Intelligenz dieses ehemaligen 16 bis 17 Millionen Volkes der Polen ausgelöscht, dieses Volkes, das uns seit 700 Jahren den Osten blockiert und uns seit der Schlacht bei Tannenberg immer wieder im Wege liegt. Dann wird das politische das polnische Problem geschichtlich für unsere Kinder und für alle, die nach uns kommen, ja schon für uns kein großes Problem mehr sein.“
Rote Armee wartete Gewehr bei Fuß
Den sicheren Tod vor Augen, hatten sich bereits im April/Mai 1943 die Bewohner des Warschauer Ghettos gegen die Okkupanten erhoben, um ihre Deportation in die Vernichtungslager aufzuhalten. Obwohl ihre Lage angesichts der deutschen Übermacht aussichtslos war, leisteten jüdische Männer und Frauen mehrere Wochen lang erbitterten Widerstand. Nach dem Kampf, bei dem die Deutschen Bomben, Granaten, Feuer und Giftgas einsetzten, wurden die wenigen Überlebenden des Gettos ermordet.
Der Warschauer Aufstand von 1944 unter dem Befehl des Generals Tadeusz Bór-Komorowski begann in der Hoffnung, dass die bereits in Vororten von Warschau Gewehr bei Fuß stationierte Rote Armee eingreifen werde. Denn Stalin wollte unbedingt im befreiten Polen ein moskauhöriges Regime installieren, und dazu passte ein Sieg der von der Londoner Exilregierung gesteuerten Heimatarmee nicht. Deshalb überließ der sowjetische Diktator die heroisch um Leben und Freiheit kämpfenden Aufständischen ihrem Schicksal. Bis heute haben die Polen Stalin dieses Verbrechen nicht verziehen.
Passivität der Roten Armee war lange tabu
Lange war der Warschauer Aufstand im kommunistischen Herrschaftsbereich ein Tabuthema, denn die Passivität der Roten Armee passte nicht in das offizielle Bild polnisch-sowjetischer Freundschaft, so wie der Kreml lange die Existenz und barbarischen Folgen geheimen Zusatzprotokolls zum Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939 leugnete, das die Teilung des Landes in ein deutsch und ein sowjetisch beherrschtes Gebiet ermöglichte. Stalin war an einem Sieg der von England aus geführten Aufständischen nicht interessiert und nahm in Kauf, dass die Deutschen die Stadt an der Weichsel zertrümmerten und unzählige Männer, Frauen und Kinder auf brutalste Weise ermordeten. Wer sich Stalin und seinen kommunistischen Helfershelfern in Polen nach 1945 in den Weg stellte, wurde verfolgt und ermordet. Auch davon berichtet die Ausstellung im Roten Rathaus.
27. Juli 2026