„Programmhaus neuen Typus“ - Humboldt Forum und Staatliche Museen ziehen positive Bilanz für 2025



Vor und beim Wiederaufbau des Berliner Schlosses gab es viel Bedenken, ob sich dieser neue Kulturstandort gegenüber den Staatlichen Museen behaupten wird. Aber wie sich zeigt, kann man im Humboldt Forum über mangelndes Interesse nicht klagen. Beide Einrichtungen machen sich keine Konkurrenz. Hier ein Blick vom Fernsehturm auf den Nachbau mit der imposanten Schlosskuppel.



Auch ohne Ausstellungen, Konzerte und Vorträge ist das Humboldt Forum zu jeder Zeit einen Besuch wert. Die Figuren auf der Attika und über den Portalen sind barocken Vorbildern nachempfunden.



Ein Besuch im Schlosskeller lohnt sich, denn hier werden beim Wiederaufbau unter einer dicken Asphaltschicht entdeckte Reste des originalen Hohenzollernschlosses gezeigt.



Bruchstücke des barocken Skulpturenschmucks, die vor der Sprengung der Schlossruine geborgen wurden, sind im Humboldt Forum ausgestellt. Sie dienten Bildhauern als Vorlage zur Anfertigung von Kopien aus Sandstein. Kurfürst Friedrich III., ab 1701 König Friedrich l. in Preußen, und weitere Herrscher erinnern, in Marmor gemeißelt, an die Pracht, mit der die Schlossräume vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ausgestattet waren.

  

Die Gemäldegalerie am Kulturforum mit Bildern alter Meister und die Ausstellung moderner Kunst im Hamburger Bahnhof sind beliebte Lernorte. Schulklassen erhalten hier guten Anschauungsunterricht.



Andrang herrscht zu jeder Jahreszeit vor und in der James-Simon-Galerie, das Eingangstor zur Museumsinsel.

Fotos: Caspar

Wie 2024 verzeichnete das Humboldt Forum
auch im vergangenen Jahr stabile Besuchszahlen auf hohem Niveau und viele ausverkaufte Programme. Trotz sinkender Tourismuszahlen in Berlin gehört das „Programmhaus neuen Typus“, wie die Eigenwerbung lautet, weiterhin zu den Top-Attraktionen der Stadt. Die Veranstaltungen im wieder aufgebauten Schloss legten deutlich zu. 132.000 Gäste nutzten die Angebote. Damit hat sich der attraktive Veranstaltungsort zwischen Lustgarten, Spree und Staatsratsgebäude weiter als Hotspot des Berliner Kulturlebens etabliert, das mit seinen Angeboten und Formaten weit über die Rolle klassischer Museen hinausgeht. Wie im Vorjahr wurde das Stadtquartier Humboldt Forum als Sehenswürdigkeit 3,3 Millionen Mal besucht.

Geschichte des Ortes
Insgesamt wurden in der Dauerausstellung und den Sonderausstellungen 634.000 Besucher, bei den Veranstaltungen 132.000 sowie rund 50.000 bei den Angeboten „Kulturelle Bildung und Vermittlung“ gezählt. Um ein Drittel sind mit 84.000 Gästen die Zahlen beim kostenfreien Open-Air-Festival „Durchlüften“ im Schlüterhof um ein Drittel gestiegen. Das Kinofestival „Box Office Around the World“ und die „Fiesta de Día de Muertos“ stießen auf großes Interesse, wie Hartmut Dorgerloh, Generalintendant des Humboldt Forums, erklärt. Das seien Indikatoren für die Relevanz des Humboldt Forums als internationale Plattform für Kunst, Kultur und Geschichte. Formate wie die Lange Nacht der Museen oder der Wintermarkt sorgten für weitere große Publikumsresonanz und erweiterten den Bekanntheitsgrad des Humboldt Forums, dessen Entstehungsgeschichte sowie Reste der ehemaligen Hohenzollernresidenz allgegenwärtig sind.Im November und Dezember 2025 kamen über 700 000 Besucher zum Winter- und Weihnachtsmarkt in den Schlüterhof und zum Schlossplatz. Obwohl die Preise für Speis und Trank und was man sonst zur Weihnachtszeit gern einkauft gepfeffert waren, war der Erfolg grandios, wie aus dem Humboldt Forum zu erfahren ist.
Viele Gäste nahmen die Gelegenheit wahr, sich mit der wechselvollen Geschichte des Ortes zwischen Glanz und Elend vertraut zu machen und zu erfahren, warum der Palast der Republik aus DDR-Zeiten in den 1990er Jahren abgerissen wurde und wie es zum Wiederaufbau mit barocker Fassade und neuem Innenleben kam.An anderer Stelle lernt man Marmorfiguren aus der Barockzeit kennen, die hier einmal die Paraderäume des Hohenzollernschlosses geschmückt haben. Bemerkenswert ist auch der Blick ganz nach oben, wo im vergangenen Jahr in der Art barocker Attikafiguren überlebensgroße Götterbilder aufgestellt wurden. Erwähnt sei, dass sich Karl Friedrich Schinkel im frühen 19. Jahrhundert dafür eingesetzt hat, diesen Schmuck als Reverenz an den großartigen Barockbaumeister Andreas Schlüter zu erhalten, der vor und nach 1700 das alte Renaissanceschloss in ein Palast von gerade zur königlichen Zuschnitt umgebaut hat. Ob eines seiner bedeutendsten Raumkunstwerke, die großartig gestaltete Schlosstreppe nach originalen Plänen und einigen aus dem Trümmerschutt geborgene Figuren wiederhergestellt wird, hängt von vom gutem Willen der Politik und der Finanzierung ab, wäre aber der i-Punkt der Rekonstruktion des Schlosses und wünschenswert.

Jahreskarten gut nachgefragt
Mit rund 3,6 Millionen Besuchen haben die Staatlichen Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) im vergangenen Jahr ihr Ergebnis halten können. Die große Resonanz der Museen und ihrer Sonderausstellungen lässt sich unter anderem daran ablesen, dass 2025 rund 40.000 Jahreskarten verkauft wurden – 2.000 mehr als im Vorjahr. Am häufigsten wurden die Jahreskarten für den Besuch der Neuen Nationalgalerie genutzt, gefolgt von der Gemäldegalerie, der Alten Nationalgalerie und dem Hamburger Bahnhof. SPK-Präsidentin Marion Ackermann zeigte sich zufrieden mit der Bilanz. Die vielen Sonderausstellungen hätten dazu trotz sinkender Tourismuszahlen entscheidend beigetragen. „Darauf setzen wir auch bei der Verwendung der 12 Millionen Euro, die wir seit diesem Jahr zusätzlich von Bund und den Ländern bekommen – die Hälfte werden wir in Ausstellungsprojekte stecken, die ein möglichst breites Publikum erreichen.“ Die Präsidentin sprach sich für eine Wiedereinführung des kostenfreien Museumseintritts am Sonntag aus, der aus Sparsamkeitsgründen gestrichen wurde. Damit würden das Berliner Publikum und neue Zielgruppen erreicht.
Die Neue Nationalgalerie war im vergangenen Jahr das bestbesuchte Haus der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und mit 608.000 Besuchen das besucherstärkste Kunstmuseum in Berlin und Deutschland, etwa 47.000 Besuche mehr als im Vorjahr. Etwas höher war der Zuwachs beim Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, der 48.900 Besuche zusätzlich verzeichnete und auf rund 445.000 Gäste kam. Der Auftakt zum fünfjährigen Jubiläum „200 Jahre Museumsinsel“ bescherte vor allem dem 1830 eingeweihte Alten Museum ein Publikumsplus von 24 Prozent, insgesamt rund 285.000 Besuche. Die Alte Nationalgalerie steht mit rund 402.000 Besuchen sehr gut da, was auch am Erfolg von „The Scharf Collection. Goya – Monet – Cézanne – Bonnard – Grosse“ liegt, die seit Ende Oktober zu sehen ist. Die Besuchszahlen der Museumsinsel blieben auch deshalb etwa konstant, weil alle Häuser dienstags wieder geöffnet waren und das Museumsinsel-Ticket stark nachgefragt war.

Lange Finger – Falsche Münzen
Die mit mehreren Sonderausstellungen bespielte James-Simon-Galerie sah etwa 126.000 Gäste und verzeichnete eine Steigerung von 70 Prozent im Vergleich zu 2024. Das Haus fing damit den leichten Rückgang beim „Pergamon. Das Panorama“ auf, eine Zeitlang schließen musste. Eine leichte Steigerung um vier Prozent verzeichnete auch das Bode-Museum, das im vergangenen Jahr 190.000 Besuche verzeichnete, vor allem dank der erfolgreichen Sonderausstellungen „Der Engel der Geschichte. Walter Benjamin, Paul Klee und die Berliner Engel 80 Jahre nach Kriegsende“ und „Lange Finger – Falsche Münzen. Die dunkle Seite der der Numismatik“ im Münzkabinett.
Am Kulturforum registrierte die Gemäldegalerie mit nahezu 200.000 Besuche deutlich mehr als noch vor zwei Jahren. 2024 hatte das Haus mit der Sonderausstellung „Frans Hals. Meister des Augenblicks“ für außergewöhnlichen Zuwachs gesorgt, an den mit der Schau „Porträts! Überraschende Begegnungen von Botticelli bis Lempicka“ wieder angeknüpft werden soll. Das Kupferstichkabinett hatte mit der Ausstellung „Kosmos Blauer Reiter. Von Kandinsky bis Campendonk“ mit über 34.000 Besuchen großen Erfolg. Stark nachgefragt war auch die Sammlung Scharf-Gerstenberg an der Schlossstraße in Charlottenburg mit einem Besucherplus von 37 Prozent und 10.000 zusätzlichen Besuchen. So sehen die Staatlichen Museen optimistisch in die Zukunft und hoffen, dass ihnen Auswirkungen globaler Katastrophen, auf die sie keinen Einfluss haben, erspart bleiben und das, ganz allgemein gesehen, Berlin als Touristenziel an Attraktivität gewinnt.

2. Februar 2025