Gold und Silber im Paulikloster -
Archäologen stellen in Brandenburg an der Havel Münz- und andere Funde aus

Das Brandenburger Paulikloster war jahrzehntelang eine Kriegsruine mit offenen Dächern unnd Schutt im Inneren. Sorgfältig wieder aufgebaut und restauriert, wird es als Archäologisches Museum des Landes Brandenburg genutzt. Hier hier gezeigte Fundstücke erzählen aus etwa 50000 Jahren menschlicher Siedlungsgeschichte.

Die in Tontöpfen dem Boden anvertrauten oder in Hauswände eingemauerten Münzen sind wichtige Geschichtsquellen. Der 1996 gehobenen Fund von Frauenhorst repräsentiert ein beträchtliches Vermögen.

Münzen aus dem silberreichen Sachsen sind in brandenburgischen Funden reichlicher vertreten als die der eigenen, an Bodenschätzen armen Region.

Nicht nur Münzen wurden vor fremdem Zugriff versteckt, sondern auch Gegenstände aus Silber wie das im Paulikloster ausgestellte Depot, das in Beeskow vermutlich von einem Goldschmied angelegt wurde. Beim Rundgang durch das Paulikloster lernt man Hinterlassenschaften aus Stein, Keramik wie diese farbig glasierte Ofenkachel, Glas und Metall, seltener aus organischen und daher wenig resistenten Stoffen wie Holz, Leinen oder Leder kennen.

Von Weitem sieht die Schlacht von Wittstock auf dem Kupferstich von 1636 irgendwie entrückt und heroisch aus. Nur wenn man zeitgenössische Berichte ließt oder die Ergebnisse der „Schlachtfeldarchäologie“ betrachtet, wird deutlich, wie mörderisch es war, wenn Reiter und Fußsoldaten aufeinander trafen und sich regelrecht abschlachteten.
Fotos/Repro: Caspar
Beim Hausbau, der Verlegung von Straßen und Versorgungsleitungen, ja manchmal auch irgendwo im Wald und auf freiem Feld wurden und werden immer wieder Münzfunde entdeckt. Sie sind wichtige Zeugen der Geschichte, Wirtschaft und Kultur und berichten von Ereignissen, über die in Urkunden und Chroniken nichts zu lesen ist. Numismatiker und Historiker bringen diese erstklassigen Geschichtsquellen mit ausgefeilten Analysemethoden zum Sprechen. Hinter den Schätzen verbergen sich nicht selten tragischen Schicksale. Denn häufig hatten die Besitzer keine Gelegenheit mehr, ihr in Töpfen, Krügen und Kisten verstecktes Vermögen zu heben, vielleicht weil sie krank waren oder ermordet wurden und ihr Geheimnis mit ins Grab nahmen. Die chronologisch gegliederte Ausstellung zeigt Werkzeuge zur Bodenbearbeitung und Fertigung von Textilien, reich verzierte Töpfe, Krüge und Schalen aus gebranntem Tod, als Opfergaben verwendete Gegenstände aus Bronze, Eisenwerkzeuge sowie Schmuck aus Silber und – ganz selten – aus Gold schließen sich an.
Eine repräsentative Auswahl dieser dem Boden anvertrauten oder auch eingemauerten Schätze kann im Archäologischen Landesmuseum zu Brandenburg an der Havel betrachtet werden. Eingerichtet im ehemaligen Paulikloster, lädt es zum Rundgang durch etwa 50 000 Jahre Siedlungsgeschichte zwischen Elbe und Oder ein. Die Ausstellung beginnt bei den Hinterlassenschaften steinzeitlicher Menschen und endet bei Fundstücken, die bei Ausgrabungen in nationalsozialistischen Konzentrationslagern und auf Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs ans Tageslicht kamen.
Bauboom nach Wiedervereinigung
Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 erlebten Brandenburg und die anderen neuen Bundesländer einen bedeutenden Bauboom, der den Archäologen viel Arbeit bescherte und ihre Depots mit großartigen Funden versah. Wie alle anderen Hinterlassenschaften unserer Vorfahren sind die Münzen aussagestarke Zeugnisse der Geschichte. Sie erzählen vom Zusammenleben unserer Vorfahren, vom Umgang mit Geld und Gütern, auch von Handelsverbindungen in ferne Länder. Zu den im Paulikloster präsentierten Schätzen gehören 143 in Lübben vergrabene Prager Groschen aus der Zeit der böhmischen Könige Wenzel II. und Johann. Für die nach 1300 in der königlichen Münze zu Kuttenberg (Kutna Hora) geprägten Silberstücke, die hierzulande wegen ihrer Qualität geschätzt wurden, konnte man sich, so haben Fachleute errechnet, fünf Mastschweine kaufen.
Weitaus größer ist der Wert eines in Dossow gehobenen Schatzes, der aus 16 Goldstücken und 218 Talern und Halbtalern besteht. Das jüngste Exemplar ist ein Dukat aus dem niederländischen Zwolle aus dem Jahr 1652. Insgesamt repräsentiert der Schatz einen Wert von 241 Talern und entspricht etwa dem Fünffachen des Jahresgehalts eines bei der Kirche angestellten Organisten. Eine bescheidene Summe wurde unter einer Treppe der Marienkirche zu Herzberg gefunden. Er repräsentiert mit etwa 14 Talern den Lohn, den um 1620 ein Zimmermann für zwei Monate Arbeit erhielt. Der Schatz von Ziesar enthält 56 Gold- und 178 Silbermünzen vom Ende des 15. Jahrhunderts bis 1755. Das im Paulikloster ausgestellte Vermögen ergibt umgerechnet bei den Goldmünzen 232,5 Taler und bei den Silbermünzen etwa 32 Taler. Damit konnte der unbekannte Besitzer eine Zeitlang gut leben, aber er zog es vor, dieses Vermögen zu verstecken und kam nicht mehr dazu, es zu heben.
Von Joachimsthal nach Frauenhorst
In Frauenhorst bei Herzberg (Land Brandenburg) kam 1996 bei Straßenbauarbeiten ein bedeutender Münzschatz zutage, der vermutlich im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) versteckt wurde. Die Fundmasse besteht aus 267 Silbermünzen, vor allem Talern, und zwei Medaillen. Zu den ältesten Talern gehören Gepräge der Grafen Schlick aus Sankt Joachimsthal, die der ganzen Gattung den Namen gaben. Stark vertreten sind mit ihren Münzen die sächsischen Kurfürsten, gefolgt von brandenburgischen und braunschweigischen, französischen und österreichischen Silberstücken. Hervorzuheben sind zwei große Löser zu zwei und fünf Talern aus den braunschweigischen Herzogtümern. Größer und schwerer als normale Taler, wurden sie in den silberreichen Ländern als eine Art Anlagemünze geprägt. Vermögende Untertanen erhielten die ungewöhnlich großen und schweren Münzen gegen Bezahlung mit normalem Geld mit der Auflage, sie bei sich aufzubewahren. Sie dienten als Reserve für den Fall, dass der Herzog Silber für außergewöhnliche Ausgaben benötigte. Einige dieser mit Fürstenbildnissen, Wappen, Bergwerksansichten und allegorischen Motiven geschmückten Silbermünzen sind gehenkelt und wurden als Schmuck getragen. Aus dem jüngsten Datum 1754 wird geschlossen, dass ein Unbekannter sein Vermögen im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) nicht in Soldatenhände fallen lassen wollte.
Alte Groschen im Tonkrug
Ein bedeutender Münzschatzfund kam bei Baggerarbeiten auf dem Gelände des Schlossgutes in Altlandsberg ans Tageslicht. In einem spätmittelalterlichen Keramikgefäß fanden Archäologen 13 Prager und Meißner Groschen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, aber auch elf 11 rheinische Goldgulden aus dem frühen 15. Jahrhundert. Die Hauptmasse besteht aus mehr als 7.000 silbernen Hohlpfennigen aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Der Fundort auf dem Domänenhof gehörte im 15. Jahrhundert zum Vorfeld der Stadtbefestigung. Der Schatz könnte dort im Jahr 1432 während des Einfalls der aus Böhmen kommenden Hussiten in die Mark Brandenburg und der Belagerung und Zerstörung der Stadt durch sie verborgen worden sein.
Eine aus fast 1400 Münzen bestehende Barschaft hatte ein sparsamer Bürger in Templin (Landkreis Uckermark) zusammengespart, doch genießen konnte er es nicht. Die Taler, Groschen und Pfennige sowie einige Goldmünzen waren im Dreißigjährigen Krieg vermutlich unter der Schwelle eines Wohnhauses versteckt worden, als die Stadt von fremden Truppen belagert und geplündert wurde. Alles in allem repräsentiert der aus Münzen aus den habsburgischen Landen, aus Sachsen und aus verschiedenen Hansestädten bestehende Schatz einen Wert von 55 Talern, 15 Groschen und vier Pfennigen. Zum Vergleich ist in der Ausstellung zu erfahren, dass die Stadt Templin 1632 einem Uhrmacher den Auftrag gibt, eine neue Kirchturmuhr zu bauen. Das kostete 55 Taler plus zwei Taler Trinkgeld.
Ein Jahrhundert Wirtschaftsgeschichte
Etwa ein Jahrhundert Cottbuser Münz- und Wirtschaftsgeschichte repräsentiert ein im Ortsteil Ostrow entdeckter Silberschatz. Die in einem Krug gefundenen Münzen unterstreichen das Miteinander von sächsischen und preußischen Geldstücken. Die Fundmasse besteht aus meist kleinen Nominalen, die in korrodiertem Zustand ans Tageslicht kamen. Mindestens drei Geldstücke sind gelocht und könnten als Schmuckanhänger verwendet worden sein. Die einst in Cottbus gültigen kursächsischen und brandenburgisch-preußischen Münzen stammen aus dem Zeitraum zwischen 1678 und 1778. Da der Besitzer auf gutes Geld achtete, fehlen minderwertige Kippermünzen aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und solche aus dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763). Nicht immer sind es Münzen die man in kriegs- und Krisenzeiten den Boden anvertraut hat. In Beeskow als man bei Bauarbeiten in der Breiten Straße ein Schmuckdepot mit Silbergegenständen aus der Zeit zwischen 1500 und 1650 entdeckt. Es wird vermutet, dass sie einem Goldschmied gehörten, der Silberbesteck sowie an Frauen- und Männerkleidern befestigte Ketten und Gehänge aufgekauft hatte, um aus ihnen neuen Schmuck zu fertigen. Der Fund erlaubt einen Blick in historische Kleidermoden und und zeigt, dass vermögende Leute auch in Beeskow gelebt haben.
Erst in der Barockzeit bemühten sich Münz- und Heimatforscher um den Erhalt von Münzschätzen, und es wurden erste Gesetze erlassen, die sie unter Schutz stellten und die Ablieferung an den Staat verlangten. In Deutschland wird die Frage unterschiedlich beantwortet, wer Eigentümer von Boden- und anderen Funden ist. In einigen Bundesländern erhalten Entdecker einerseits und Eigentümer des Grundstücks oder Hauses andererseits, in dem der Schatz verborgen war, jeweils die Hälfte des Schatzes. Im Land Brandenburg gilt: „Bewegliche Denkmale und bewegliche Bodendenkmale, die herrenlos sind oder die so lange verborgen waren, dass ihr Eigentümer nicht mehr zu ermitteln ist, werden mit der Entdeckung Eigentum des Landes und sind unverzüglich an die Denkmalfachbehörde zu übergeben.“ Nach Meldung und/oder Ablieferung besteht die Aussicht auf eine eine angemessene Belohnung. Wer Münz- und andere Funde unterschlägt und versucht, sie bei Händlern und Sammlern zu vermarkten, macht sich strafbar.
Wittstocker Massengrab
Vor einigen Jahren breitete die Ausstellung „1636 - ihre letzte Schlacht“ im Paulikloster breitete Ergebnisse umfangreicher Ausgrabungen auf dem Schlachtfeld bei Wittstock im Bundesland Brandenburg aus. In jener Schlacht vor 390 Jahren gingen 16 000 Schweden auf 22 000 kaiserliche und sächsische Soldaten unbarmherzig aufeinander los. Auf dem Schlachtfeld blieben etwa 6000 Tote zurück.
Den siegreichen Schweden gelang es, den Gegnern Kanonen, Waffen und die Kriegskasse abzujagen. Archäologen und Historiker haben im Rahmen des neuen Forschungsprogramms „Schlachtfeldarchäologie“ die bisher unbekannte Fundstelle untersucht und festgestellt, woher die Gefallenen stammten und wie sie ums Leben kamen.
Bevor man im Herbst 1636 die Leichen in ein Massengrab warf, wurden sie nach Wertgegenständen durchwühlt. Das war üblich, denn die Überlebenden waren auf solche Beute angewiesen, das ihr Sold dürftig war und oft nicht ausgezahlt wurde . Sie waren auf Raub und Plünderung der Toten und Verwundeten angewiesen. Pietät konnte sich in diesem brutalen Überlebenskampf niemand leisten, auch wenn Bilder und Erzählungen von damals das angeblich „edle Kriegshandwerk“ und das „Sterben auf dem Feld der Ehre“ über den grünen Klee loben.
31. Januar 2026