„Er nahm die zweithöchste Stelle
ein“
Prinz Heinrich von
Preußen, der vor 200 Jahren verstorbene „Condé von
Rheinsberg“, und seine
Medaillen
Von Helmut Caspar

Mit einer Reihe von
repräsentativen Ausstellungen begeht die Stiftung
Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg in
diesem Jahr den 200. Todestag des Prinzen Heinrich von
Preußen. Ort der mit vielen hochkarätigen Leihgaben aus
aller Welt bestückten Schau über den jüngeren Bruder
Friedrichs II. ist das Rheinsberger Schloß, in dem der
jüngere Bruder Friedrichs des Großen
sechsundsiebzigjährig am 3. August 1802 starb. Die mit
rund 450 Exponaten – Bildern, Stichen, Dokumenten,
Büchern, Porzellan, Möbeln, Medaillen und persönlichen
Erinnerungsgegenständen - bestückte Schau wird am 4.
August eröffnet und läuft bis zum 27. Oktober 2002. Es
erscheint ein umfangreicher Katalog, der auch neue
Erkenntnisse über das Leben des Prinzen und sein
Nachwirken bis in die heutige Zeit dargelegt werden.
Friedrich II. von Preußen, den man später den Großen
nannte, hatte die Residenz noch als Kronprinz errichten
lassen, sie aber 1744 an Heinrich abgetreten. Ein
Denkmal des Kronprinzen steht vor dem Schloß,
bezeichnenderweise aber fehlt eines für Heinrich, der
hier ein halbes Jahrhundert lebte und seinem Besitz den
Stempel aufdrückte. Die Ausstellung versucht eine
Ehrenrettung, sie will den Prinzen als großen Europäer,
Kunstfreund, Bauherren, Diplomaten und Militär würdigen
und ihn damit aus dem Schatten des weitaus bekannteren
Königs holen. Aufgrund der Thronfolgeregeln war es
Heinrich verwehrt, König zu werden, dennoch legte er
seinen ganzen Ehrgeiz darein, in der großen Politik
mitzumischen, was zu Reibereien mit dem Regenten und
zeitweiliger Isolation führte. Die aufgrund seiner
hervorragenden Beziehungen zu den Höfen Europas
erteilten Ratschläge und bisweilen auch handfesten
Interventionen sind dem Prinzen schlecht vergolten
worden. Nur in Kriegs- und Krisenzeiten war seine Hilfe
gefragt. Daß der klein gewachsene, oft kränkliche
Hohenzoller für Preußen wichtige militärische Siege
errang, führte zwar zu materieller Belohnung und in
einem Fall auch zur Prägung einer Medaille, nicht aber
zu dem ersehnten herzlichen Einvernehmen mit dem König
und schon gar nicht zu einem wichtigen Staatsamt oder
hohen Militärposten. Offenbar gab es zwischen den
Brüdern so viel Ähnlichkeit, daß Harmonie nicht
aufkommen konnte.
Spannungsvolle Beziehung
Heinrich stand mit
Friedrich, der ja sein Landesherr und Oberbefehlshaber
war, in einer spannungsvollen Beziehung. Beide waren
Musensöhne und Feldherren von Rang. Trotz
freundschaftlicher Bekundungen gegenseitiger
brüderlicher Liebe ging man sich gern aus dem Weg und
sprach wohl auch im engen Kreis nicht besonders
freundlich voneinander. Daß beide Brüder Männer liebten,
wider Willen verheiratet waren und keine Kinder hatten,
spielte in der Beziehung eine Rolle. Heinrich nahm gern,
was ihm sein Bruder schenkte, erst das Rheinsberger
Schloß, dann das Prinz-Heinrich-Palais in Berlin, seit
1810 Sitz der neu gegründeten
Friedrich-Wilhelms-Universität, die heutige
Humboldt-Universität. Gelegentlich hat der Ältere den
Jüngeren mit diplomatischen Missionen in Paris, Sankt
Petersburg und Stockholm betraut, war aber immer darauf
bedacht, daß dieser sich nicht in Staatsangelegenheiten
einmischte. Als aus Polen ein Antrag kam, Heinrich zum
dortigen König zu wählen, erhob Friedrich sein Veto.
Auch die Wahl des Hohenzollern zum Präsidenten der
vereinigten Staaten kam nicht zustande. Heinrich nahm
von sich aus Abstand.
Der Prinz verbrachte die
Wintersaison in seinem prächtig ausgestatteten Berliner
Palais, dem nach dem Berliner Schloß größten
herrschaftlichen Bau in der Residenzstadt. In edlem
Ambiente, das bei der Zerstörung des Palais im Zweiten
Weltkrieg verloren ging und beim Wiederaufbau der
Humboldt-Universität auch nicht wiederhergestellt wurde,
hat man am 18. Januar seinen Geburtstag als
„Heinrichstag“ gefeiert. Das Datum fiel mit dem 18.
Januar 1701, dem Tag der Krönung des brandenburgischen
Kurfürsten Friedrich III. zum preußischen König
Friedrich I., zusammen. 170 Jahre später fand am 18.
Januar die Proklamation Wilhelms I. zum Deutschen Kaiser
statt. Bei den Hohenzollern hatte der 18. Januar also
eine dreifache Bedeutung. Friedrich II. hatte übrigens,
ungeachtet solcher Feierlichkeiten, von seinen drei
jüngeren Brüdern August Wilhelm, Heinrich und Ferdinand
(der 1802 Testamentsvollstrecker des Prinzen Heinrich
war) keine sonderlich hohe Meinung. „Es gibt eine Art
Zwitterwesen, die weder Herrscher noch Privatleute sind
und sie sich bisweilen sehr schwer regieren lassen: Das
sind die Prinzen von Geblüt“, schrieb der König in
seinem Politischen Testament von 1752. „Ihre hohe
Abstammung flößt ihnen einen gewissen Hochmut ein, den
sie Adel nennen. Er macht ihnen den Gehorsam unmöglich
und jede Unterwerfung verhaßt. Sind irgendwelche
Intrigen, Kabalen und Ränke zu befürchten, von ihnen
können sie ausgehen. In Preußen haben sie weniger Macht
als irgendwo sonst. Aber das beste Verfahren ihnen
gegenüber besteht darin, daß man den ersten, der die
Fahne der Unabhängigkeit energisch in seine Schranken
weist, alle mit der ihnen gebührenden Auszeichnung
behandelt, sie mit allen äußeren Ehren überhäuft, von
den Staatsgeschäften aber fernhält und ihnen nur bei
genügender Sicherheit ein militärisches Kommando
anvertraut, das heißt, wenn sie Talent und einen
zuverlässigen Charakter besitzen“.
Hoffnung der Dynastie
Die Geburt des Prinzen am
18. Januar 1726 wurde durch eine eher bescheidene,
unsignierte Medaille gefeiert. Das war üblich, auch von
Heinrichs älteren Brüdern Friedrich Ludwig, Friedrich
Wilhelm sowie Friedrich, dem späteren König Friedrich
II. sind solche Geburtsmedaillen überliefert.
Auf
der Medaille von 1726 zur Geburt des späteren
Rheinsberger Prinzen Heinrich ruht die preußische Krone
auf drei mit Ziffern versehenen Säulen. Die erste
bezeichnet den späteren Friedrich II., die zweite August
Wilhelm und die dritte Heinrich, der Neugeborene. Auf
der Rückseite ist in lateinischer Sprache zu lesen, was
die Eltern so glücklich machte: „So wird sie – die Krone
– am sichersten sein“. Mit drei lebenden Söhnen war die
Thronfolge gesichert. Denn auch in Herrscherkreisen
mußte man angesichts hoher Sterblichkeitsraten immer an
das Ende der Dynastie denken, weshalb reicher
Kindersegen staatspolitisch wichtig war und auch auf
Medaillen gewürdigt wurde.
Da Friedrich und Heinrich
keine Kinder hatten, lag alle Hoffnung auf August
Wilhelm, der der Monarchie im Jahr 1744 tatsächlich
einen Thronerben schenkte. Dieser Neffe Friedrichs II.
übernahm 1786 als Friedrich Wilhelm II. das Zepter. Er
und sein Nachfolger Friedrich Wilhelm III. mochten den
inzwischen alt gewordenen Prinzen Heinrich, wie man
einen alten Onkel so mag, doch auch für sie stand außer
Frage, ihn an politischen Entscheidungsfindungen nicht
teilnehmen zu lassen. Diese Zurücksetzung vor allem in
den französischen Revolutionskriegen, an denen Preußen
mit wenig Fortune teilnahm, hat Heinrich, den Historiker
als ein politisches Talent bezeichnen, sehr geschmerzt.
Zu seinem Glück musste er Preußens Fall anno 1806 nicht
mehr erleben.
Als Friedrich II., der Große, 1786
gestorben war, ließ Heinrich im Rheinsberger Schloßpark
einen Obelisk zur Erinnerung an jenen Bruder August
Wilhelm errichten, mit dessen Hilfe die Thronfolge
gesichert wurde. August Wilhelm hatte sich den Zorn
Friedrichs II. zugezogen, weil er sich dessen Befehlen
anscheinend nicht beugte. Auf diesem unlängst
restaurierten Monument sind die Namen von 28 Generalen
und Offizieren der friderizianischen Armee vermerkt.
Darunter befinden sich auch solche, die der Gnade des
Großen Königs verlustig gegangen waren, es aber nach des
Prinzen Meinung „durch ihre Tapferkeit und Einsicht
verdient haben, daß man sich auf immer ihrer erinnere“,
wie Theodor Fontane in seinen „Wanderungen durch die
Mark Brandenburg“ schreibt. Er bezeichnet die
Gedenksäule als vielleicht größte Sehenswürdigkeit von
Rheinsberg und hat die – in diesem Jahr
wiederhergestellten – Inschriften aus unzähligen
vergoldeten Bronzebuchstaben dokumentiert. Die
Besonderheit an dieser Säule ist, daß der Name des
königlichen Bruders fehlt. Das war Heinrichs Art, sich
an ihm für erlittenen Unbill zu rächen.
Hierarchie
stets gewahrt
Wer im Hohenzollernstaat ganz oben
stand und wer sich mit einem niedrigen Rang zufrieden
geben mußte, zeigt sich an der Zahl und Art der Münzen
und Medaillen oder auch der Denkmäler, die man
Kurfürsten, Königen und Prinzen gesetzt hat. Ein solches
Memorial für Prinz Heinrich fehlt, dafür existieren
zahlreiche Denkmäler des älteren Bruders. Das von
Christian Daniel Rauch geschaffene Reiterdenkmal
Friedrichs des Großen Unter den Linden in Berlin, das
1851 enthüllt wurde. Ganz oben reitet überlebensgroß der
König, an einer Ecke des Denkmalssockels hat der
ebenfalls reitende Prinz Heinrich Aufstellung gefunden,
womit die Hierarchie gewahrt ist. Er und die anderen
Sockelfiguren sind viel kleiner als der König, aber
immerhin hat Heinrich als herausragender Feldherr einen
prominenten Platz auf diesem bronzenen Kunstwerk
bekommen, was auch als eine Art Ehrenrettung zu
verstehen ist.
Nur wenige Medaillen wurden mit dem
Bildnis des Prinzen Heinrich geprägt. Das hat natürlich
mit seiner Stellung am preußischen Hof und seinem
Verhältnis zum älteren Bruder zu tun. Zeit seines Lebens
stand Henri Louis, wie sich der francophile Prinz selber
nannte, im Schatten Friedrichs II. Wer Auktionskataloge
und Angebotslisten des Münzhandelns anschaut, findet die
Prägungen selten. Die Medaillen auf Prinz Heinrich sind
im Katalog der Paul Henckel‘ schen Sammlung
Brandenburg-preußischer Münzen und Medaillen (Berlin
1876/77, Nachdruck Berlin 1987) und in der Monographie
von Tassilo Hoffmann „Jacob Abraham und Abraham Abramson
- 55 Jahre Berliner Medaillenkunst“ (Frankfurt am Main
1927) aufgeführt. Im Henckel-Katalog findet sich eine
englische Medaille von 1759, auf deren Rückseite „Prince
Henry“ und weitere Heerführer des Siebenjährigen Krieges
abgebildet sind. Seit der Erwähnung im Katalog der
Henckel‘ schen Sammlung unter der Nummer 2430 schleppt
sich eine falsche Zuschreibung der Medaille von 1802
durch die Literatur. Sie wurde mitnichten zum 76.
Geburtstag des Prinzen, sondern anläßlich seines Todes
am 3. August 1802 geschaffen. Wie anders wäre das Bild
des Adlers innerhalb der übersetzten Umschrift „Er nahm
die zweithöchste Stelle ein“, zu verstehen, der zu einem
hell strahlenden Stern, dem Symbol für Friedrich den
Großen, aufsteigt. Auch die Inschrift im Abschnitt „Zu
den Himmlischen 1802“ ist klar als Nachruf und nicht als
Geburtstagsglückwunsch zu verstehen. Hoffmann schreibt
die unsignierte Medaille Abramson zu, nicht zuletzt weil
das Brustbild dem auf einer Medaille von 1795 zum
„Eintritt des Prinzen in das 70. Lebensjahr“ ähnelt. Die
Inschrift weist darauf hin, daß der Dargestellte ein
Bruder Friedrichs des Großen ist. Auch auf Stichen und
Zeichnungen findet man diesen Hinweis, so als ob dies
die wichtigste Eigenschaft des Prinzen ist und er nichts
anderes vorzuweisen hat als die nahe Verwandtschaft mit
dem berühmten Preußenkönig.
Niemals unterlegener Sieger
Von Jacob Abraham,
dem Vater von Abraham Abramson, stammen drei Medaillen,
die den Prinzen in jüngeren und wohl auch glücklicheren
Jahren darstellen, in einer Zeit, da man ihn auch
europaweit als großen Feldherren verehrte. Es handelt
sich zunächst um eine Medaille von 1762 auf den Sieg bei
Freiberg, die Heinrich als „den niemals unterlegenen
Sieger“ feiert und ihm Taten bescheinigt, die mit den
Leistungen des Herkules wetteifern. Dargestellt ist der
prinzliche Feldherr in der Art römischer Cäsaren mit
Harnisch und Lorbeerkranz. Auf der Rückseite schreibt
die geflügelte Fama auf eine Tafel „Sieg von Freiberg“.
Da die Stempel schon bald rissen, mußte Abraham ein
neues Paar fertigen, was geringe Abweichungen von der
ersten, überaus seltenen Version erklärt.
Die zweite
vom gleichen Künstler gefertigte Medaille feiert den 50.
Geburtstag des Prinzen im Jahr 1776 und erklärt, er
komme - als Soldat - gleich nach dem König. Hier ist die
Allegorie auf der Rückseite interessant und rätselhaft.
Der Helm des Feldherren obenauf mit einem Federbusch und
einer Sphinx bedeckt einen Schild, auf dem man das von
Schlangen umgebene Haupt der Medusa erkennt. Dieses
Attribut sollte Unheil abwehren und ist häufig bei
Darstellungen der antiken Göttin der Künste und Weisheit
Athena Minerva zu finden, die sich das Gorgonenhaupt zur
Abschreckung der Feinde aus den Brustpanzer heftete. Die
Kombination eines Helms mit dem Schild der Minerva
sollte, so darf man vermuten, Heinrichs Verdienste als
Militär und als Musenfreund feiern, womit der
Stempelschneider ins Schwarze traf. Auf zeitgenössischen
Porträtstichen des Prinzen findet man ein ähnliches
Motiv.
Auf der Sterbemedaille von 1802 wurde dieses
Motiv noch einmal aufgegriffen. Ganz klein schaut unter
dem Schild eine Leier als Hinweis auf die Freude hervor,
die der Verstorbene an Schauspiel und Musik hatte. Die
Hoffnung „Spät erst möge er in den Himmel zurückkehren“
wird auf der Medaille von 1777 zur Wiederherstellung der
Gesundheit des an einer Lungenentzündung schwer
erkrankten Prinzen ausgesprochen. Hier spinnt eine Parze
den Lebensfaden von einem Rocken, den ihr ein
geflügelter Genius darreicht. Die beiden Abramson gaben
sich keine sonderliche Mühe, die wenig ansehnlichen
Gesichtszüge des Prinzen zu schönen, die durch
Pockennarben und eine „Stubsnase“ gezeichnet waren, die
so ganz von der auffällig langen und schmalen Nase des
großen Bruders abweicht.
Alle, die mit dem Prinzen
zu tun hatten, heben hervor, daß diese Mängel, wenn es
denn überhaupt welche waren, im täglichen Umgang und in
der Unterhaltung schnell wett gemacht wurden. Ein
Zeitgenosse, der französische Gesandte Graf Ségur,
urteilte über den klein gewachsenen Prinzen, der durch
ein hohes Perückentoupet etwas größer zu wirken suchte,
folgendermaßen: „Wenn man mit ihm sprach, vergaß man
bald seinen unansehnlichen Wuchs, die Unregelmäßigkeit
seiner Augen und das Unangenehme seiner Gesichtszüge,
das zunächst abstoßend wirkte. Sein Geist adelte seinen
Körper, man sah in ihm nur noch den großen Mann und den
liebenswürdigen Menschen“, und Voltaire nannte ihn in
Anspielung an einen berühmten französischen Feldherren
den „Condé von Rheinsberg“, dem die Herzen Europas
entgegen schlagen, einen Mann, der „den Siegerkranz
Apollos mit dem von Mars zu vermengen geruht“.
Opfer von Verleumdung
Heinrich wurde im Alter zur
lebenden Legende, zum Denkmal einer vergangenen Epoche.
Bestattet wurde er in einer Grabpyramide unweit seines
Schloßes. Sie wurde schon zu Lebzeiten des Prinzen und
nach seinen Anweisungen erbaut. Nur in Resten blieb der
von dem Berliner Zinngießer Sierks geschaffene,
ursprünglich reich verzierte Paradesarg erhalten. Seine
Bestandteile wurden 2001 in der Berliner
Metallrestaurierungswerkstatt Haber & Brandner
zusammengesetzt. Die Wände des Sargs waren stark
verbeult, weil er von Unbekannten aufgebrochen worden
war. Unwiederbringlich waren auch künstlerische Details
wie Wappenschilder und Inschriften verloren gegangen.
Fontane sah 1853 „noch deutlich“ den großen Zinksarg
(gemein ist aber Zinn) in der Gruft, bedeckt mit einem
rostigen Helm. „Seitdem ist ein brutaler Versuch gemacht
worden, eben diesen Sarg, in dem man Schätze vermutete,
zu berauben, was nun, nachträglich noch, zur Erfüllung
der Testamentsanordnung, will also sagen zur Vermauerung
der Pyramide geführt hat“.
In aller Stille wurde der
restaurierte Sarg Mitte November 2001 mit den
sterblichen Überresten des Prinzen in die Grabpyramide
geschafft. Anschließend hat man den Eingang zugemauert,
so wie es der Prinz gewollt hat. Der Verzicht auf
jegliche Zeremonie war ein Wunsch der Preußischen
Schlösserstiftung, die die in das Mausoleum eingelassene
Inschriftentafel erneuern ließ. Auf ihr charakterisiert
sich der Prinz in französischer Sprache als ein Mann,
der „durch seine Geburt in die Wirbel jener eitlen
Dünste hineingeschleudert (wurde), die der große Haufen
Ruhm und Größe nennt“.
Die Inschrift beklagt, dass
der hier Bestattete oftmals Ziel von Verleumdung und
Opfer von Ungerechtigkeit war und zu alledem durch den
Tod geliebter Angehöriger und treuer zuverlässiger
Freunde gebeugt wurde. Die selbst verfaßte Eloge endet
mit den Worten „Bin ich nicht der beste Mensch gewesen,
so gehöre ich doch nicht zur Zahl der Schlechten. Lob
und Tadel können dem im Grabe nichts mehr anhaben“. Die
abgebrochene Spitze der Pyramide ist ein Sinnbild für
das Leben, das unvollkommen und unvollendet bleibt.
Wir danken der Stiftung Preußische Schlösser und
Gärten Berlin-Brandenburg für die Zurverfügungstellung
des ergänzenden Bildmaterials.
Abb.1: Anton Graff: Prinz Heinrich von Preußen um
1784 bis 1789. Öl auf Leinwand, 136 x 99 cm, SPSG. Foto:
Wolfgang Pfauder 2002
Abb.2: Prinz Heinrich bewohnte das Schloß Rheinsberg
von 1744 bis 1802. Foto: H. Caspar
Abb.3: Friedrich II. überließ 1744 seinem Bruder
Heinrich das Schloß Rheinsberg. Medaille zur
Thronbesteigung 1740 (von I. Dassier).
Abb.4: Medaille auf den 50. Geburtstag des Prinzen
Heinrich im Jahr 1776
(von A. Abramson).
Abb.5: Die Genesung des „Bruders des Königs“ war 1777
eine Medaille wert (von J. Abraham).
Abb.6: Medaille auf den Tod des Prinzen Heinrich von
Preußen am 3. August 1802 (von A. Abramson).
Abb.7: Keine Schönheit, aber ein Charakter: Johann
Heinrich Lips porträtierte „Le Prince Henry“ um 1775/80.
Abb.8: Medaille 1726 auf die Geburt des Prinzen
Heinrich.
Die Krone auf der Vorderseite wird von 3
Podesten getragen, welche die Prinzen Friedrich, August
Wilhelm und Heinrich symbolisieren.
Rückseite:
Schrift in 4 Zeilen: SIC ERIT/FIRMIS/SIMA/1726 (= So
wird sie am Sichersten sein)
Abb.9: Benjamin Schwarz (Zuschreibung): „Das
Chinesische Lusthaus im Printzlichen Garten zu
Rheinsberg“, um 1795. Radierung, aquarelliert, 24 x 33,9
cm. SPSG, Plansammlung. Foto: Wolfgang Pfauder 2002
Abb.10: Portraitmedaillon des Prinzen Heinrich am
Obelisken im Park. Foto: H. Caspar
Abb.11: Prinz Heinrich als Feldherr auf dem Denkmal
Friedrichs des Großen Unter den Linden. Foto: H. Caspar
Abb.12: Minerva als Hüterin der Künste und
Wissenschaft – Schmuck über einem Fenster der heutigen
Humboldt-Universität. Foto: H. Caspar
Abb.13: Von 1744 bis 1802 war Prinz Heinrich Herr in
Schloß Rheinsberg, das er mit erlesener Kunst ausstatten
ließ. Foto: Henry Mundt, 2000 (Ausschnitt)
Abb.14: Die jetzt wiederhergestellte Grabpyramide
ohne Spitze mit Inschriftentafel im Rheinsberger
Schloßpark, Darstellung aus dem Jahr 1802.










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