Nicht alles, was über die Berliner und ihre Stadt erzählt wird, ist wahr.
Vieles ist frei erfunden oder setzt sich wie beim Spiel "Stille Post" aus
Geschichten zusammen, bei dem hinten etwas anderes heraus kommt als vorn
gesprochen wurde. Das Buch nennt Beispiele für solche Mythen und Legenden,
erwähnt aber auch handfeste Lügen, mit denen das Volk hinters Licht geführt
wurde. Alphabetisch aufgebaut, beginnt es mit der hochgeheim vorbereiteten
"Aktion Blitz", mit der die DDR-Regierung durch Umtausch alter gegen neue
Banknoten Schieber und Spekulanten, wie es damals hieß, treffen wollte, und
es endet mit dem Zwangsumtausch, auf den sich nach dem Mauerbau von 1961
Besucher aus dem Westen einlassen mussten, wenn sie den östlichen Teil
Berlins und die DDR betreten wollten.
Zwischen beiden Stichwörtern kommt manches zur Sprache, was man allenfalls
vom Hörensagen weiß, etwa wie 1805 aus dem Ochsenmarkt der Alexanderplatz
wurde, und ob das Märchen stimmt, dass kupferne Quadriga auf dem
Brandenburger Tor schon mal stadtauswärts gefahren ist. Erzählt wird auch
die abenteuerliche Geschichte des Hauptmanns von Köpenick, der in keinem
Festumzug fehlt. Es wird nachgefragt, warum es trotz vieler Verordnungen
schon vor einigen hundert Jahren nicht gelang, die Berliner zur Reinlichkeit
auf den Straßen zu bewegen, und was sich die DDR-Führung vor 50 Jahren vom
Bau der Berliner Mauer versprach. Der Verfasser legt dar, wie es 1710 zur
Gründung der Charité und 1810 der Humboldt-Universität kam, und warum Friedrich
der Große uniformierte Schnüffler ausschickte, um unversteuerten Kaffee zu
aufzuspüren. Das Buch vermittelt ferner biographische Einzelheiten über die
1810 verstorbene Königin Luise, die man als preußische Madonna verehrte, und
schildert, was Mitte des 19. Jahrhunderts gusseiserne, mit Plakaten und
Zetteln beklebte Säulen so populär machte. Nachgefragt wird ferner, warum
1950 die Ruine des Stadtschlosses gesprengt wurde, und warum die Hoffnung der
dafür verantwortlichen Politiker nicht in Erfüllung ging, bald werde kein
Hahn mehr nach dem Hohenzollernbau krähen.
Das reich illustrierte Buch macht mit Episoden aus der Berliner Geschichte
bekannt, denen der Geruch des Merkwürdigen, Unglaublichen, Legendären und
Mystischen anhaftet. Manches lässt sich nicht mehr exakt nachprüfen, weil
die Quellenlage dürftig ist. Die "Berliner Mythen, Lügen und Legenden"
erschienen in einer Zeit, da ein Jubiläum auf das andere folgt. 2010 war es
65 Jahre her, dass der Zweite Weltkrieg und das so genannte Tausendjährige
Reich in einer furchtbaren Katastrophe endeten. An die deutsche
Wiedervereinigung vor 20 Jahren wurde erinnert, und die Leistungen der Charité und
der Humboldt-Universität wurden gewürdigt. 2011 schauen wir auf den Bau der
Berliner Mauer und der innerdeutschen Grenze vor 50 Jahren zurück. 2012 wird
der 300. Geburtstag des preußischen Königs Friedrich des Großen festlich
begangen, und 2013 erinnern wir uns an den Beginn einer neuen Ära im Jahr
1713 durch die Thronbesteigung des preußischen Soldatenkönigs Friedrich
Wilhelm I. Dem Autor kommt es nach eigenen Worten darauf an, hinter die
Kulissen zu schauen und zu zeigen, dass nicht alles, was in der Berliner
Geschichte glänzt, Gold sein muss, und vieles der kritischen Prüfung nicht
standhält. So soll dieses Buch den Blick auf die Berliner, denen Goethe
einmal nachgesagt hat, sie hätten "Haare auf den Zähnen", und ihre sich
ständig verändernde Stadt schärfen helfen und dazu beitragen, sich selbst
und unsere Vergangenheit und Gegenwart kritisch zu hinterfragen.