Besprechung des Buches von Helmut Caspar
"Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt"
Die Auseinandersetzung mit Geschehnissen in der DDR leidet oft unter fehlendem Fundament. Das mag daran liegen, dass die Zeit der Aufarbeitung (und Verdrängung?) mit nunmehr 17 Jahren noch relativ kurz ist, oder dass vielen Zeitzeugen - aus welchem Grund auch immer - nicht daran gelegen ist, zur Aufarbeitung beizutragen.
Dies gilt nicht für das neueste Werk des Berliner Autoren Helmut Caspar. Mit dem Streifzug durch die Münzgeschichte der DDR (so der Untertitel) hat der Autor wieder einmal ein hervorragend recherchiertes, flüssig geschriebenes und gut gegliedertes Buch vorgelegt.
Gerade um die Geldherstellung in der DDR ranken sich viele Mythen. Und da kommt ein sachlich ausgearbeitetes Werk gut daher. Ohne den Anspruch der Vollständigkeit für sich reklamieren zu wollen, füllt es doch eine Lücke in der reichen Katalogwelt über die DDR-Münzen. Der Autor ordnet die produzierten Münzen, Medaillen, und Geldscheine markanten politischen und historischen Ereignissen zu. Mit dieser Verknüpfung erklärt er nicht nur die äußere Gestaltung der Produkte sondern wirft gleichzeitig auch eine "Geldsicht" auf eben diese politischen Ereignisse.
Ein menschliches Urbedürfnis ist das Sammeln. Sammler mögen es, wenn ihr Sammelgebiet übersichtlich und geschlossen ist. Die Münzgeschichte der DDR als abgeschlossenes Sammelgebiet erfreut sich gerade aus diesen Gründen einer steigenden Beliebtheit. Das merken nicht nur wir in der Münze Berlin an den Reaktionen unserer Besucher, wenn sie unsere Dauerausstellung mit allen Gedenkmünzen der DDR besucht haben. Das zeigen auch die Anfragen die uns zur Münzgeschichte der VEB Münze erreichen. Auch deshalb ist das Buch von Helmut Caspar wichtig. Es bündelt viele - wenn nicht gar die meisten - Informationen, Thesen und Aussagen zu unserer Münzgeschichte. Natürlich leidet auch er darunter, dass er nicht in wohlsortierte Archive eintauchen konnte. Weder die DDR und schon gar nicht die Münze Berlin hatten die Souveränität, unbequeme Informationen zu archivieren. Aber der Autor klopft die Mythen ab, befragt Zeitzeugen und ist bestrebt, ohne reißerische Absicht eine fundierte Aussage zu treffen. Daher kommt kein interessierter Leser oder interessierte Leserin an diesem Buch vorbei.
Die Staatliche Münze Berlin hat in den letzten Jahren die Kraft gefunden, ihre reichlich vorhanden Muster und Zeugnisse der eigenen Vergangenheit zu archivieren. Dieser von vielen überraschenden Entdeckungen begleitete Prozess wird noch längere Zeit in Anspruch nehmen. Er ist mühsam und unerlässlich. Auf diesem Weg freuen wir uns über jeden Mitstreiter, der seine Sicht der Dinge präsentiert, uns anspornt, eigenes Wissen zu erarbeiten und so die numismatische Welt um ein interessantes Kapitel bereichert.
Andreas Schikora
Leiter der Staatlichen Münze Berlin
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