Von Dresden nach Muldenhütten - Warum die Münzstätte bei Freiberg 1953 ihren Geist aufgeben musste

Das Wappen der Königlich-sächsischen Münze kann im Dresdner Münzkabinett bewundert werden. Die Kniehebelpresse aus dem Jahr 1839 tat in Dresden und Muldenhütten gute Dienst. Jetzt ist sie im Dresdner Schloss ausgestellt.

In DDR-Sammlungen sind aus Muldenhütten stammende und mit dem E gezeichnete DDR-Münzen aus Aluminium erhalten. Auf einer alten Spindelpresse wurden in der sächsischen Geldfabrik mit kräftigem Schwung Medaillen geprägt.

Münzmeister Gustav Julius Buschick ließ die letzten in Dresden geprägten Pfennige von 1887 mit einem dicken Punkt auf der Wertseite zeichnen und machte aus ihnen erstklassige Raritäten. Die ersten in Muldenhütten geprägten Zwanzig-Pfennig-Stücke erhielten einen Stern unter der Wertzahl. Sollten diese Ausgaben je im Handel angeboten werden, sind ihnen enorme Preise sicher.

In Muldenhütten wurden zahllose Reichsmünzen wie das Drei-Mark-Stück von 1913 zur Hundertjahrfeier der Völkerschlacht bei Leipzig geprägt.

In der Ausstellung des Dresdner Münzkabinett kann man die originalen Werkzeuge für das berühmte Drei-Mark-Stück „Friedrich der Weise“ und die dazu gehörige Ausgabe bewundern, von der1917 in Muldenhütten nur einhundert Stück geprägt wurden.

Nur probeweise wurde in der Zeit der Weimarer Republik die mit dem E markierte Germaniamünze hergestellt.
Fotos: Caspar
Viele deutsche Reichsmünzen und frühe Geldstücke der DDR tragen als Münzzeichen ein „E“. Kenner wissen, dass die Stücke aus der sächsischen Münzstätte Muldenhütten bei Freiberg stammen. Sie wurde 1887 eingerichtet, nachdem beschlossen war, die in der Nähe des Dresdner Schlosses tätige Geldfabrik der sächsischen Kurfürsten und ab 1806 Könige aufzugeben.
Der Umzug nach Muldenhütten war wegen geplanter Bauarbeiten auf der Brühlschen Terrasse notwendig geworden. In der Nähe erinnert der Name „Münzgasse“ daran, dass hier Hartgeld und Medaillen hergestellt wurden. Wie aus zeitgenössischen Berichten hervor geht, wurde das historisch wertvolle Inventar und auch viele Dokumente bei der Verlagerung unter chaotischen Umständen zerstört.
Auch der Himmel weinte
„Auch der Himmel weinte! – denn ununterbrochenes Regenwetter setzte ein, wir hätten wie die Pompadour sagen können ,Nach uns die Sintflut!’“, notierte der Münzgraveur und Medailleur Max Barduleck in seinen Lebenserinnerungen, die 1981 vom Direktor des Dresdner Münzkabinetts, Paul Arnold, verbunden mit dem Katalog seiner Arbeiten aus den Jahren 1865 bis 1911 herausgegeben wurden. Zu allem Unglück sei noch die Elbe über die Ufer getreten, und das „Wasser drohte unter den Fenstern der Münzschlosserei einzudringen, um uns zum Schluss noch hinauszuschwemmen.“
Das alte das Münzgebäude befand sich in einem beklagenswerten Zustand und hätte modernisiert werden müssen. Die Belegschaft musste sich bequemen, in die Provinz zu ziehen oder sich eine neue Arbeit zu suchen. Vergeblich hatte die Stadt Dresden für den Erhalt der Prägeanstalt gestritten und dem Finanzministerium attraktive Ausweichquartiere angeboten. Dem nach Muldenhütten umgesetzten Personal wurden zum kargen Lohn ein paar Pfennige zusätzlich nach dem Tarif der Bergleute zugestanden.
Proben mit ungewöhnlichen Bildern
In Muldenhütten wurde ein Teil der deutschen Reichsmünzen geprägt, erkennbar am Buchstaben E, der von Dresden übernommen wurde. Es gab überdies eine reiche Medaillenproduktion und auch in der Zeit der Weimarer Republik die probeweise Herstellung von ungewöhnlich gestalteten Geldstücken, die es allerdings nicht zur Massenprägung schafften. Wenn sie ab und zu vom Handel zum Kauf angeboten werden, sind ihnen gute Preise sicher.
Nach dem Zweiten Weltkrieg lief die Münzherstellung in den vier deutschen Besatzungszonen langsam an. Einige Geldfabriken waren von Bombenangriffen betroffen und mussten für ihre Aufgaben erst wieder hergerichtet werden. Die Berliner und die Muldenhüttener Münze hatten, in der Sowjetischen Besatzungszone und ab 1949 in der DDR gelegen, für die Massenprägung von Pfennigen und Groschen sämtlich aus Aluminium zu sorgen.
Prägemaschinen kamen nach Dresden
Als ausreichend „Aluchips“stets mit der Inschrift DEUTSCHLAND geprägt waren, wurde in der Regierung überlegt, ob die Münzstätte Muldenhütten noch gebraucht wird. Man kam zu dem Schluss, der VEB Münze am Berliner Molkenmarkt, kenntlich am Buchstaben A, könne die Aufgaben allein schaffen. So wurde die Muldenhüttener Geldfabrik aufgehoben. Die Belegschaft musste sich eine neue Beschäftigung suchen, und manche Mitarbeiter gingen in die DDR-Hauptstadt oder flohen in den Westen. Einige Prägemaschinen, Stempel und und andere Utensilien gingen in den Besitz des Dresdener Münzkabinetts über und werden im Dresdner Residenzschloss gezeigt, wo auch dessen Dauer- und Sonderausstellungen zum Besuch einladen.
Nach der offiziellen Auflösung der Münze Muldenhütten wurde in den Fabrikräumen „Fass- und Verpackungsband“ hergestellt, wie es in den Chroniken heißt. Bald schon ging der Betrieb im 1961 gegründeten VEB Bergbau und Hüttenkombinat „Albert Funk“ auf. Hoffnungen von Münzfreunden nach der deutschen Wiedervereinigung 1990, der Freistaat Sachsen möge das Münzzeichen E wiederbeleben und Hartgeld wieder in Muldenhütten produzieren, gingen nicht aus. Was einmal weg ist, lässt sich nur schwer neu beleben.
Bei Muldenhütten sind noch manche Fragen offen, aber die sehr rührigen Freiberger Münzfreunde e. V. sind mit Nachdruck dabei, die Fehlstellen zu schließen. Was sie recherchieren, findet sich regelmäßig in ihren prall mit neuen Erkenntnissen über sächsische Münzen und Medaillen gefüllten „Freiberger Münzblättern“.
10. Dezember 2025